05
Okt
08

Mein schönstes Ferienerlebnis

Nach einer langen Fahrt, die über Stunden mit Sturm und Regen garniert war, erreichten wir endlich das Plateau de Valensole, da wo die Lavendelfelder den Himmel berühren. Wie durch Zauberhand bewegt, ließen die Wolken wieder die Sonnenstrahlen hindurch, die die Berge wie mit einer überdimensionalen Taschenlampe anleuchteten. Durch das geöffnete Fenster strömte kühle, lavendelduftende Bergluft ins Auto, obwohl die Felder zum größten Teil abgeerntet waren.

wo der Himmel die Lavendelfelder berührt

wo der Himmel die Lavendelfelder berührt

Bald tauchte auch St. Jurs vor uns auf. Bevor wir das kleine Dorf mit seinen etwa 152 Einwohnern erreichten, bogen wir aber nach Norden ab, um zum Hof von Odile und Laurent zu gelangen. Als das Auto nach etwa zwei Kilometern vor dem Haus hielt, kamen zwei Hunde wild bellend auf uns zu und begrüßten uns als erste. Nur wenige Augenblicke später kam auch Odile aus dem Haus und begrüßte uns herzlich. Die Hunde waren verstummt, umkreisten uns schnüffelnd und trollten sich, nachdem sie uns in ihre Geruchsdatenbank aufgenommen hatten.
Die Ferienwohnungen liegen in den Nebengebäuden des Hofes und sind wunderbar liebevoll eingerichet. Unsere wies zwei Schlafzimmer auf mit französischen Betten, alten Schränken und einem kleinen Sekretär auf, dazu eine voll eingerichtete Küchenzeile mit antikem Esstisch und -stühlen sowie eine gemütliche Sofaecke. Selbst ein Fernseher fehlte nicht, aber im Nachherein betrachet, lief er nur ein einziges Mal für die Wettervorhersage vor der Tour durch die Gorge du Verdon.
Odile zeigte uns den Hof, auch den Swimmingpool, dessen Wasser, wie sie lachend meinte, sehr, sehr kalt sei, aber wenn wir mutig genug seien, könnten wir ihn gerne benutzen und drückte uns den Schlüssel für dessen Tür in die Hand. Als Willkommensgruß des Hauses brachte sie uns auch ein Glas selbst gekochter Feigenmarmelade mit. Die beiden Hunde scheuchte sie mit einer Handbewegung aus der Wohnung und erklärte, dass sie vollkommen harmlos, der eine aber unglaublich verfressen, der andere nur neugierig sei. Gute Beschreibung der beiden!
Schnell war das Auto entladen, und dann endlich konnten wir auf den Beginn des Urlaubs mit einem ordentlichen Pastis anstoßen, den wir stilecht auf unserer grün umrankten Terrasse einnahmen. Später gesellte sich Laurent dazu, der seinerseits zwei lavendelhoniggefüllte Waben aus den hofeigenen Stöcken mitbrachte. Gourmand, der dicke Hund trottelte hinter ihm her.


Am nächsten Morgen wurden wir durch leises Bimmeln vor unserem Fenster geweckt. Ah, Ziegen oder Schafe? Nein, das war das uns bald sehr vertraut werdende Geräusch des Glöckchens, welches Hund Nr. 2, der Neugierige, Curieux, um seinen zotteligen Hals trug. Wie uns Laurent später erzählte, zockelt Curieux gerne durch die Nachbarschaft, schaut mal hier herein, mal dort. Und damit ihn niemand mit einem Hasen oder anderen jagdbaren Wild verwechselt, trägt er halt Glöckchen. So brauchten wir keinen Wecker, denn Curieux war pünktlich jeden Morgen da, um zu schauen, warum wir Langschläfer denn so lange brauchten, um ihm das Fell durchzuwuseln, er war schließlich ja auch schon unterwegs.
Neben der Vermietung der Ferienwohnungen richten Odile und Laurent auch wunderbare Essen aus. Auf Vorbestellung ab acht Personen begeben sich beide in ihre jeweilige Küchen und zaubern Köstliches aus dem Gartengemüse und aus dem, was die Region ansonsten noch bietet. Den Käse bereitet der Nachbar, dafür dürfen seine Ziegen auf Laurents Hochweiden in den Bergen weiden. Das Fleisch wird von einem anderen geliefert, der Rinder hält. Auch für uns haben die beiden an einem unserer letzten Abende aufgekocht, obwohl wir nur zu dritt waren. Und ich wäre tief betrübt gewesen, wenn wir diese kulinarischen Highlights nicht hätten kosten können.
Als Aperitiv gab es einen gut gekühlten Weißwein aus der Provence, dazu reichten die beiden in Bierteig ausgebackenes Gemüse, und krosses Weißbrot mit Knoblauch und Tomate aus dem eigenen Garten belegt. Zur Vorspeise hatte Odile einen kräftigen Salat bereitet sowie eine mit Ratatouille gefüllte Blätterteigpastete. Der Hauptgang wurde von Laurent am Kamin bestritten, an dem er ein wunderbares Stück Entrecôte zart rosa briet. Aus Odiles Küche kamen selbstgemachte Bandnudeln mit Tomaten und Kräutern dazu. Und zum Nachtisch schob sie eine Schüssel Mousse au chocolat und einen Tarte tatin mit frischen Pfirsichen auf die Tafel.

Die Digestivs des Hauses waren auch aus der eigenen Produktion: einen Vervein-Kräutertee oder, viel besser noch selbst angesetzte Kräuterschnäpse. Die Flasche, in der eine Schlange eingelegt war, hat dann doch keiner von uns dreien angerührt, obwohl wir alle sehr neugierig auf die Wirkung waren. Aber da bin ich meinem Motto treu geblieben: alle Worte, die mir in der französischen Küche fremd sind, haben etwas mit Innereien oder Schlimmerem zu tun. Und wie diese Schlange mit Vor- und Zunamen heißt, weiß ich nun wirklich nicht!

Nach einer Woche haben wir Ort und Quartier gewechselt und ich kann nur sagen, dass das ein Fehler war, ein riesengroßer Fehler!
Denn obwohl wir ja zahlende Gäste waren, haben wir uns bei Odile und Laurent wie bei guten Verwandten auf dem Land gefühlt, wie bei echten Gastgebern und nicht wie bei Vermietern.

Merci beaucoup à vous, Odile & Laurent!

Nun denn, die Adresse:

Les Gîtes de Molans
Odile et Laurent
F-04410 Saint-Jurs
Haute-Provence
Tél. : 0033 4 92 74 30 72

http://www.giteshauteprovence.com/

 

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3 Responses to “Mein schönstes Ferienerlebnis”


  1. 6. Oktober 2008 um 00:18

    Haaaach! Eine Reise für die Sinne, schön virtuell dabei gewesen zu sein!

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  2. 2 joulupukki
    18. Oktober 2008 um 02:52

    Klingt herrlich!

    Und? Wart ihr mutig genug? Das hast Du uns jetzt unterschlagen! Und die Kontaktadresse auch, Schlaues Du – willst wohl sicher gehen, dass das Quartier nächstes Jahr nicht bereits besetzt ist, was?

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  3. 3 richensa
    18. Oktober 2008 um 10:26

    Nein, wir haben den Schlangenschnaps nicht probiert, joulu, die Webadresse habe ich nachgereicht..

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