16
Sep
08

Herbergssuche…

Gefunden habe ich diese Übernachtungsmöglichkeit über die Seite http://www.gites-de-france.fr, DIE Seite, wenn man was Nettes in Frankreich sucht, was wenig oder nichts mit größeren Hotelketten zu tun hat, einigermaßen preisgünstig ist und dennoch einen gewissen Qualitätsstandard bietet.
Idyllisch mitten im Nirgendwo des Perigord noir nördlich des touristischen Höhepunktes von Sarlat gelegen, findet man dorthin nur mit einer soliden französischen Straßenkarte (ich lehne ja diese Navi-Systeme ab, denn man kriegt nur im steten Wechselblick zwischen Karte, Landschaft, Straße und Ziel einen wirklichen Eindruck von dem Weg, den man gerade beschreitet oder befährt; aber das ist nur eine kleine private Nebenbemerkung am Rande) und dem festen Vorsatz, auch anzukommen. Eine Besonderheit des ruralen Frankreichs ist es ja auch, dass fast jeder Hof oder Weiler einen eigenen Namen hat, der nicht unter einer Adresse, wie man sie aus Deutschland kennt, zu finden ist. Es wäre ja auch zu einfach, wenn man sich nach „Sarlater Landstraße 219“ richten könnte, nein, es ist viel kreativer, den suchenden, den irrenden Reisenden mit „Chez Michel“ durch die Lande zu schicken!
Immerhin haben wir es im letzten Lichte des schönen Septemberabends gefunden, begrüßt wurden wir als erstes von dem reichlich angejahrten Hofhund Oscar und dann vom Großvater, der mir gleich das Gespräch über das Wetter vom Juli und August in der Region gab (welches ich ja leider verpasst hatte).
Madame und Monsieur Fumat als Gastgeber in dieser Herberge waren allerdings nicht weit und Madame zeigte uns dann auch das Zimmer, welches mit Bad und WC ausgestattet ist.
Madame ist eine kleine, quirlige Frau in den sechzigern, die Monsieur, das Haus, den Hund, die Vögel im Käfig und die Gäste offensichtlich gut unter Kontrolle hat, in rasend schnellem Französisch, im harten Dialekt der Region gefärbtem Klangteppich zählte sie die Hausregeln auf, wann gefrühstückt wird, wann gezahlt wird, wann die Abreise zu erfolgen hat. Oui, Madame, bien sûr, Madame! Freundlich lächelnd, aber deutlich in der Ansage.. Wahrscheinlich war sie sowieso der Meinung, dass „halb neun bis neun“ reichlich spät sei und an sich niemend eine volle halbe Stunde zur Einnahme des Frühstücks bräuchte. Als wir am ersten Tag um erst zwei vor neun an der Tafel erschienen, hätte ich schwören können, dass sie vorwurfsvoll geschaut hat.
Monsieur versieht so etwas wie Butlerdienste: still bis schweigsam und fast lautlos erscheint er und stellt den Kaffee hin, bringt die Milch und erscheint zwischendurch schweigend, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Nett, aber irgendwie haben alle am Tisch immer geschwiegen, wenn er kam.
Neben dem Frühstück gibt es auch die berühmte, aber leider im Aussterben begriffene „table d’hôtes“, die Tisch- oder gar Tafelrunde, zu der sich allabendlich die Gäste des Hauses versammeln und bekocht werden. Die deutsche Übersetzung mit „Halbpension“ trifft diese alte französische Einrichtung meiner Meinung nur unzureichend.
Wir haben uns dem Ritual zweimal unterzogen, die restlichen Abende haben wir uns dann doch lieber selbst-gesucht verpflegt. Zunächst versammeln sich die Gäste im Speiseraum, man nimmt nach freundlicher Aufforderung von Monsieur Platz und dann fragt Monsieur jeden Gast, welchen Apperitif denn man denn wünsche. Dann wurde eingeschenkt, entweder ein Nuss-, ein Pfirsichwein oder der Rattafia, allesamt Spezialitäten der Region. Zum Schluss schenkte er sich auch einen Daumenbreit ein und dann wurde das Glas erhoben. Nach den wohl gesetzten Schlucken eilte er hinaus und kam mit den Tellern der Vorspeise zurück, auch hier blieb man regional: Foie gras, aber eben zumeist als Bloc de foie gras. Nun setzte das stille Verspeisen ein. Dasselbe Prozedere beim (fleischhaltigen) Hauptgang und beim Käse und beim Nachtisch.
Da uns die Runde, die zumeist doch aus Herrschaften vorgerückten Alters bestand, etwas zu ruhig war, bis auf den Abend mit den Belgiern, aber das ist eine andere Geschichte, haben wir auf das weitere Teilnehmen an dieser wackeren Tafelrunde verzichtet.
Insgesamt war es ein nettes Quartier, aber es fehlte mir doch etwas der offenen Austausch, die Herbergseltern waren eben zu sehr…. Herbergseltern, irgendwie….

Chez Michel,
24200 Proissans
+44 5 53591179
mail: jacques.fumat@club-internet.fr

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