24
Aug
08

Mein Wochenmarkt

Der Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz ist am Samstag morgen einer der besten Plätze in Friedrichshain. Hier gibt es eine Menge Bio-Stände meist vom Direkterzeuger mit Obst und Gemüse, aber auch den Räucherfisch aus dem mobilen Ofen oder die Wurst aus Thüringen, gewürzt mit Witz und Pfeffer.
Dann gibt es auch den Stand mit frischem Espresso oder frischen Kuchen und Brot.
Vergessen wir nicht die Stände mit türkisfarbenen Nachthemden, die aber irgendwie…. hmmm… das Bild abrunden!
Bei Regenwetter teilt man sich das Marktvergnügen nur mit relativ wenigen Unentwegten, die wirklich Kartoffeln kaufen.

Der Einkaufszettel vom 19.5.07:
Erdbeeren – angeblich deutsche Freilandware, roch gut, war aber noch nicht so richtig erdbäärig
Spargel – brandenburger Ware: UNGLAUBLICH lecker! duftete schon beim Einkauf gut, sehr frisch
Kartoffeln – ein Muss zum Spargel, vorwiegend festkochend
Pfefferminze – meine auf dem Balkon ist noch nicht so ergiebig, dass ich dauernd Tee kochen könnte, diese war sehr lecker-minzig und hat natürlich nix mit der Teebeutel-Minze unserer Kindertage in Jugendherbergen und Krankenhäusern zu tun..

Der Einkaufszettel vom 24.8.2008
Da kämpfen immer zwei Seelen in meiner Brust am Samstagmorgen: gehe ich früh hin wegen der besten Blumen und der frischesten Kräuter oder lieber spät, kurz vor Schluss, damit ich Obst und evt. Gemüse preisgünstiger bekomme.
Meist entscheide ich mich für letzteres.
Heute gab es:
– Augustäpfel, die mit der pastellig-grünen Schale, klein und süßsauer
– Zwiebeln, aber so niedliche kleine, dass man sie im ganzen schmoren kann
– Pfirsiche für den Nachtisch heute abend, der Rest wird Konfitühüüre
– einen Blumenstrauß aus quer-durch-den-Garten-Blumen
Unbezahlbar dabei sind die kleinen Plaudereien mit den Marktfrauen an meinen Lieblingsständen, zumeist stehen sie seit langen Jahren auf dem Markt.
Die Blumenfrau erzählte mir von ihrem Garten, zeigte Bilder vom Blumenladen der Tochter in Altlandsberg, die sie aus ihrer riesigen Tasche zauberte, und ließ sich auch von einem arroganten Fatzke, der ihr erzählte, dass er Sonnenblumen gar nicht leiden kann (Geschmackssache, aber der Tonfall macht die Musik!), nicht aus ihrer gelassenen Ruhe und Freundlichkeit bringen. Kein Wunder, bei fast 75 Jahren, wie sie mir stolz erzählte, die man ihr wahrlich nicht ansah, nur den Händen, die von harter Arbeit in der Landwirtschaft kündeten. Nach dem harten Sonnabend auf dem Markt, dem langen Weg sei sie Abends immer halbtot, aber am Sonntag, wenn das Radio liefe und sie gemütlich in der Küche säße, würde sie wieder Mensch, sagte sie und hatte ein breites Lachen um dem Mund und eine Warmherzigkeit in den Augen, die den frühherbstlichen grauen Wind sofort vergessen ließ.

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