14
Aug
08

Schloss Prötzel

Als ich vor ein paar Wochen mit einem Kollegen zu einem Ziel hinter Bad Freienwalde unterwegs war, kam ich auch das erste Mal durch den kleinen Ort Prötzel. Zunächst nahmen die rechtwinklig abknickenden Kurven der L33 meine Aufmerksamkeit in Beschlag, dann aber, als ich in die richtige Richtung abgebogen war, sah ich die graue Anlage im Augenwinkel. Leider erlaubt die Straße keine abrupten Schlenker auf irgendwelche Standstreifen oder Bürgersteige, lediglich ein steiler Graben mit hohem Randstein zur Straße lädt ein, das Auto mit solchen Manövern zu demolieren. Und da ich dummerweise am Steuer saß, konnte ich auch nicht ein schnelles Foto aus dem Autofenster schießen. Aber wie das so ist, oftmals kommt man doch zweimal an demselben Ort vorbei. Am Montag war es dann soweit: Prötzel war erreicht und hinter dem Abzweig nach Strausberg gibt es eine Möglichkeit, das Auto abzustellen.
Dem wunderschönen Barockbau sieht man sein Alter etwas an, diverse Umbauphasen zeichnen das heute so graue Schloss, besonders der Resalitbauten links und rechts des Hauptgebäudes.
Überraschenderweise hält Wikipedia einen kleinen Eintrag zur Baugeschichte bereit, der “Dehio” zu Brandenburg ist allerdings auch nicht sehr ausführlich.
Kurz vor 1720 vollendet, soll es von Andreas Schlüter, dem Schöpfer des Berliner Schlosses mitsamt dem Bernsteinzimmer, geplant sein, bereits in jener Zeit ein wirklich prominenter Architekt. Bauherr war ein Paul Anton von Kamecke, Generaladjudant des ersten preußischen Königs Friedrich I. (1657–1713), der sich hier in die Abgeschiedenheit der “märkischen Schweiz” seinen wahrhaft prachtvollen Landsitz errichten ließ.


(dank Wikipedia )

Eine barocke Gartenanlage, die sich zu wahrscheinlich in kleinen Terrassen zum Schlosssee hinunterzog, vervollständigte die ländliche Idylle. Bereits ein halbes Jahrhundert später, um 1770 wurde die barocke Strenge, einst mit einem Obelisken als optischen Höhepunkt in der Hauptachse des Schlosse zugunsten eines englischen Landschaftsgartens mit naturbelassenem See aufgelöst, der damals auf der modischen Höhe der Zeit war. Auch das Schloss ließ Paul Friedrich von Kamecke neu errichten. Ob er sich mit dem Bau finanziell übernommen hatte?
Die Familie von Kamecke verkaufte den Besitz 1801 an die (Frei)Herren von Eckardstein, rund zwei Generationen später, 1859 wurde das Corps de logis und die auf der Hofseite durch vorgeblendete Halbsäulen, auf der Gartenseite durch säulengetragenen Balkon, Putzgliederung und Dreieckgiebel neubarock verändert.
Nach 1945 erfuhr das Schloss die fast übliche Geschichte mit der Nutzung als Kulturhaus des Dorfes und der ansässigen LPG. Nach 1990 stand es dann leer und verfiel zusehends, auch die Gärten waren seit Jahrzehnten nicht gepflegt, jahrhundertealte Bewässerungssysteme waren verfallen, der prächtige Baumbestand war teilweise ruiniert.
Seit letztem Jahr ist die Anlage in Privatbesitz und soll nach einer Sanierung nach 2012 wieder genutzt werden, was genau entstehen soll, konnte ich bislang nicht herausfinden.

Zu der Schlossanlage gehörte auch die große Schlosskirche, die wenige hundert Meter entfernt, durch eine Lindenallee bequem zu erreichen war. Auch diese Kirche ist stark sanierungsbedürftig, ein Förderverein hat sich gegründet, auch die deutsche Stiftung Denkmalschutz hilft mit Zuschüssen für das marode Kirchendach.
Kulturgeschichte Brandenburg… wieder ein “lost place”, vielleicht ändert sich das aber wieder?

Schloss Prötzel
Am Park, Strausberger Straße, 15345 Prötzel

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2 Responses to “Schloss Prötzel”


  1. 1 Ralf
    9. Juli 2012 um 19:55

    Ich kenne einen Teil des Schlosses als Kindergarten aus meiner Kindheit. Und das war Ende der 60’er Jahre. Zuletzt war ich 2007 dort…. und es hatte sich überhaupt nichts äußerlich verändert (bis auf den fortgeschrittenen Verfall des Anwesens)

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