03
Aug
08

Camilla!

„Wo hat man das denn schonmal, dass man so einen schönen See mitten in der Stadt hat?“ fragte mich eine Mitarbeiterin hörbar stolz.

Ich musste lange überlegen und mir fiel dann auf die Schnelle nur der Bodensee und Konstanz, Bregenz oder Lindau ein, aber da war ich ja noch nie. Außerdem ist mir der Bodensee so aus der Ferne zu groß, 473 km² sagt Wikipedia.
Der Unteruckersee hingegen hat mit seinen etwa 10 km² eine auch für mich verstehbare Größe, maximal 19 m soll er tief sein. Stehen kann ich als nicht darin, aber schwimmen sicher.
Und so schaute ich mir nach meinem Feierabend den See einmal an. Tiefblau war er, wie der Himmel über ihm. Eine leise Brise wehte vom Wasser an die Promenade. Vom Seeschwimmbad herüber schallte Lachen und Kreischen an jenem Abend.
Vor lief ein Golden Retriever am Ufer auf und ab, sein Frauchen hatte einen bunten Ball ins Wasser geworfen, der Hund sollte ihn wieder rausholen. Endlich traute er sich hinein und paddelte aufgeregt ersteinmal hinter den Teichhühnern her, die aber eindeutig besser im Training waren und elegant eine Abkürzung ins Schilf fanden. Der bunte Ball dümpelte auf der Wasseroberfläche. „Camilla, wo ist der Ball?“ Ich schaute mich um, kein Prinz Charles in Sicht, keine Camilla aus England, nur der Hund, der so gar nicht nach „Camilla“ aussah. Endlich hatte auch der begriffen, dass er gemeint war. Schnell war der Ball erreicht und ans Ufer gebracht. Und nochmal: der Ball flog ins Wasser, der Hund nun munter hinterher. Ich schaute den beiden zu. Und dann wurde Frauchen wirklich mutig und warf das bunte Ding so weit hinaus wie sie konnte. Bei den „Bundesjungendspielen“ war sie bestimmt gut. Camilla schaute ratlos, weil sie den Ball nicht mehr sah. Ich sah ihn zwar, aber das war ganz schön weit draußen. Und dann ging es los: „Camilla, wo ist der Ball?“ Immer und immer wieder, der Hund drehte sich suchend im Kreis, schaute ratlos und der Ball trieb immer weiter vom Ufer weg. Die Teichhühner waren auch zurück gekommen, um mal zu schauen, wo der Ball ist und umkreisten ihn. Frauchen war nun klar, dass Camilla nicht so gut sieht, so ganz jung schien sie auch nicht mehr. Ein Rentner mit seinem Enkel kam des Wegs, blieb auch stehen und schaute. „Camillllllla, wo ist der Ball??“ und „Such….“ mit ermunternder Handbewegung.
Schließlich grinste der Mann und sagte: „Ma kieken, wer nu den Ball holt, der Köter oder sie.“ Ich konnte nur stumm nicken, sonst hätte ich laut lachen müssen.
Irgendwann erbarmten sich die Teichhühner des Hundes, machten ordentlich Paddelbewegungen und so Camilllllla auf sich aufmerksam. Der Hund hechtete los und hatte den Ball alsbald im Fang.
Als er zurück kam, mit dem Ball im Maul, applaudierten wir. Boah, war das spannend!

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