04
Mai
08

Walpurgisnachmittag in Friedrichshain 2008

Wenn der 1. Mai an Berlins Pforten klopft, dann regen sich bei Berlins Polizisten besondere Frühlingsgefühle. Sie tanken die Wanne voll, ziehen sich ihr frisch gestärktes Kampfanzüglein über die Uniform, treffen sich an vorher vereinbarten Plätzen und fahren einfach los.
Dazu laden sie auch noch ihre Kollegen aus vielen verschiedenen Bundesländern ein, die sich dann zu einer Art Betriebsausflug aufmachen. In Berlin angekommen, werden sie von der Einsatzleitung in die interessantesten Ecken der Stadt geschickt, um sich dort etwas umzuschauen, miteinander herumzustehen und abends, aber nur bei Bedarf, noch auszugehen.
Und damit sie auch in Friedrichshain, rund um den Boxhagener Platz noch eine Parklücke, in die sich auch mit ihren großen, mit Panoramascheiben und Gittern versehenen Mehrzweckfahrzeugen hineinpassen, verhängen sie Kraft ihres Polizeipräsidenten einfach rundherum ein absolutes Halteverbot.

Und damit sie abends auch genügend Platz für eine nette Grillrunde auf dem Boxhagener Platz haben würden, hatten sie in weiser Voraussicht auch dafür gesorgt, dass kein anderer den Grill auspacken oder gar ein Handtuch auf eine der Bänke legen konnte:


Wir kamen diesem Ansinnen natürlich gerne nach, als freundliche Friedrichshainer.
Für die weiteren Vorbereitungen und möglicherweise notwendigen Gespräche hatte der Besuch in grün noch hübsche, fast kanariengelbe Kollegen dabei.

Mein Besuch vom Prenzlauer Berg und ich beschlossen, uns einfach in eines der angrenzenden Cafés zu setzen und dem munteren, grünen, frühlingshaften Treiben bei einem Tässchen Kaffee zuzuschauen.
Direkt vor dem Café stand eines dieser praktischen Fahrzeuge, mit dem man auch einmal mit mehr Freunden als sonst losfahren kann. Eines scheint aber an Bord zu fehlen: die Möglichkeit, die schmutzigen Hände zu säubern. Im Abstand von nur wenigen Minuten kam der gesamte Freundeskreis, der mit diesem Auto unterwegs war, in unser Café und stellte dem verdutzten Mann hinter der Theke die bedeutungsvolle Frage: „Kann ich mir mal die Hände waschen?“ Dieser nickte jeweils stumm und wies in Richtung der Handwaschbecken hinter der Toilettentür. Einer nach dem anderen verschwand und kam aber sehr schnell wieder. Die Hände waren nach Augenschein aus einigen Metern Entfernung in dieser kurzen Zeit kaum vom Wasser benetzt worden. Mein Besuch und ich waren uns nach kurzer Überlegung sicher, dass man und frau sich eventuell gar nicht die Hände gewaschen hatte, sondern diesen Satz nur als vokabelhafte Wendung auf der Polizeischule gelernt haben könnte.
„Kann ich mir einmal die Hände waschen?“ = mussmalaufKlo

Angewidert und erschrocken nippten wir am Getränk und wollten uns nicht vorstellen, dass der grün- und schwarzgewandete Besuch später mit ungewaschenen Händen … grillen würde!

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1 Response to “Walpurgisnachmittag in Friedrichshain 2008”


  1. 1 Regine
    20. Mai 2008 um 10:03

    Seit langem der unterhaltsamste Bericht über den 1. Mai, Regine sagt Danke für die amüsante Lektüre ;-)

    Gefällt mir


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