29
Apr
08

In der Geisterbahn

Das werte Gefährt brauchte dringend eine Säuberung, von innen und von außen. Drinnen hatte sich eine halbe Lößbörde angesammelt, vermischt mit diversen Kassenzetteln unter den Sitzen und Flecken, deren Entstehungsgeschichte ich nicht in aller epischen Breite beschreiben will.
Nun, es sollte daher die Tiefenreinigung werden, nicht bei der Tankstelle des Vertrauens um die Ecke, sondern bei einem sehr emsigen Betrieb, den ich von der S-Bahn in der Nähe der Jannowitzbrücke schon oft gesehen hatte.
An einem Dienstagvormittag sollte ja nicht so viel los sein, dachte ich so bei mir, aber weit gefehlt!
Die Plätze mit den Staub- und Laubsaugeranschlüssen waren gut belegt, die fünf Werktstattplätze für die finale Kosmetik waren auch alle belegt, an der Waschstraße hatte sich auch schon eine eindrucksvolle Schlange gebildet.
Nun gut, zunächst also an den Staubsauger! Jeder Saugerplatz ist mit zwei langen Saugrohren ausgestattet: einen für links, einer für rechts. Toll! Kein Gezerre an den Schläuchen, damit man auch hinten links die Krümel raus gesaugt bekommt… und vor allem: die Saugerei kostet nichts! Es ist natürlich gewünscht, dass man noch durch die Waschstraße fährt oder für ab ca. 199,- Euro das Innen-Außen-Oben-Unten-Super-Paket bestellt.
Schnell war die Lössansammlung und der Rest rausgesogen, das Armaturenbrett gewischt und bis auf ein paar Flecken hinten links war es dann auch schon hübsch sauber von innen.
Dann reihten sich mein Auto und ich in die Schlange vor der Waschstraße ein.
Das war wirklich wie in dem Film: als Fahrer sollte man dann den Gang rausnehmen, von der Bremse gehen und die Dinge laufen lassen… und drin sitzen bleiben! Vorneweg wurde das Gefährt mit Seifenlauge überspritzt, dann machte man mit dem Bedienpersonal aus, welches Waschprogramm denn laufen sollte und los ging es:
wie auf Schienen wurde das Auto von Zauberhand weiter geschoben, dicker weißer Seifenschaum brandete um die Scheiben, kurz mit Wasser abgespült. Auf der Fahrerseite blinkte die Station auf, an der wir uns gerade befanden. Kaum gelesen, kamen die dicken flauschigen Bürsten, Wasser, rechts blinkte die Station: „Intensivwäsche“. Das Auto rollte gemächlich weiter, dann noch mehr Schaum, nun von den Seiten, von unten, noch eine Station… ich saß am Steuer und musste laut lachen, etwas Irrwitz in der Stimme, denn irgendwie erwartete ich einen Mitarbeiter mit Gruselmaske, der uns beiden auch von der Seite aus ansprang und erschrecken wollte! Da schon blitzte links die „Unterbodenwäsche“, ein scharfer Strahl… von unten kommend! Und weiter zur „Unterbodenversiegelung“ wurden mein Auto und ich geschoben, dann in die Wachsversiegelung. Schlussendlich fuhren wir in eine Kabine, in der mit blauem Licht und Gebläse das Autochen ordentlich trockneten und an einer Tafel blinkte auf, dass ich und mein Auto Leistungen für 15 Euro erhalten hätten, damit wir nochmal beide wirklich wussten, dass unsere Fahrt in der Geisterbahn auch ihren Preis gehabt hatte.
Schwupp… und raus! Fertig… mein Herz klopfte ordentlich laut nach diesem aufregenden Erlebnis.

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2 Responses to “In der Geisterbahn”


  1. 1 vau
    29. April 2008 um 20:30

    *hüstel* ich glaub, die Flecken hinten links sind spätestens morgen mittag ebenfalls verschwunden *schäm*

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  2. 2 Fuschi
    30. April 2008 um 17:25

    jaja was so alles „von unten kommend“ ist!

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