09
Feb
08

Mein visueller Speicher

Gestern war ich in der Gemäldegalerie am Kulturforum. Was war das für ein Erlebnis!
Wo soll ich anfangen zu erzählen, wo aufhören? Mein visueller Speicher war auf jeden Fall nach fünf Stunden zum Bersten gefüllt, ich wollte und konnte nicht mehr ansehen.
Aber der Reihe nach: das Gebäude ist genau das, was diese Galerie braucht, eigentlich nüchtern und gradlinig, mit Bereichen, die dieser Wandelhalle in der Mitte, wo sich das Auge ausruhen kann. Von dieser schönen hellen Halle, die durch einen Säulenwald gegliedert ist, gehen die verschiedenen Räume und Kabinette ab, die jeweils eine bestimmte Zeit und/oder Schule beinhalten.
Und ich gestehe, dass ich nicht so gut vorbereitet war auf das, was mich in der Gemäldegalerie erwartete, sonst hätte ich stärker ausgesiebt, was ich mir in Ruhe anschauen würde. Und dummerweise habe ich auch den Plan, welcher am Eingang etwas unspektakulär in einem kleinen Ständer zum Mitnehmen ausgelegt war, nicht mitgenommen.
Mit den mittelalterlichen Heiligendarstellungen ging es los, aber ich gestehe, dass ich sie zwar kunstgeschichtlich interessant finde, aber sie mich dennoch persönlich eher kalt lassen.
Hilfreich war der Audio-Guide, der im Ticketpreis enthalten ist. Leider habe ich immer wieder feststellen müssen, dass genau die Bilder, die mich wirklich interessiert haben, nicht über diese Hör- und Sehhilfe abzurufen sind. Sehr sehr schade!
Die Bilder, die mich auf den ersten Blick ansprechen, sind jene, die eine Geschichte erzähen. Hierbei ist es mir eigentlich egal, ob es szenische Darstellungen wie zum Beispiel der „Jungbrunnen“ vom älteren Cranach ist oder Fra Angelicos „Jüngster Tag“. Gerade bei diesem Bild hätte ich mich stundenlang aufhalten können und die Szenen aus der Hölle mir immer wieder anschauen können, denn diese sind viel interessanter als die zum Himmel aufsteigenden Gestalten. Und offensichtlich hat auch Fra Angelico viel mehr Zeit auf die Hölle verwendet, kluger Mann!

Portraits, bei welchem mir der oder die Dargestellte etwas erzählt, liebe ich auch. Leider musste ich viele auf dem Audioguide vermissen, so dass ich mich nur mit dem Anschauen begnügen musste.Also werde ich wohl sehr lange darauf warten müssen, wer dieser gigantische dicke Mann war.

Ich gestehe ja, dass ich ein wirklicher Fan der holländischen Landschaftsmalerei bin, leider hat es eine Weile gedauert, bis ich mich bis dorthin vorgekämpft hatte. Aber dann war es soweit, oh.. ich kann mich in diesen kleinen Landschaften verlieren, gleichsam einer der Schlittschuhläufer auf irgendeinem namenlosen niederländischen Kanal werden, fühle, wie der Wind durch das grobe Wollgewebe der Frauen, die auf dem Markt Fisch kaufen kriecht.
Und dann darf ich nicht näher herantreten, als dieses graue Band auf dem Fußboden vor den Bildern anzeigt. „Mind the gap!“ Irgendwo streichen auch die Museumswärter herum, die darauf achten, dass ich nicht in den Bildern verschwinde.
Das würde mir gefallen… wenn ich in das Bild hineinhüpfen könnte, Schlittschuhlaufen oder mich umdrehen und den Maler hinter mir sehen und mit ihm ein plaudern könnte.

Das wäre ein Spaß!

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