04
Feb
08

Mäusegeschichte

Vor nicht allzu langer Zeit saß ich am Rechner zuhause und musste dringend ein paar Bilder bearbeiten. Der Griff ging zur Mouse. Mist, das Ding hakt schon wieder! Wie schon viele Jahre vorher schraubte ich mein graues Mäuschen unten auf, der Ball kullerte mir entgegen. Wie fast immer verschwand er jenseits des Schreibtischrandes mit einem dumpfen „Plopp“ auf dem Fußboden. Toll! Na gut, bücken kann ich mich ja noch. Mit einem Wattestäbchen, das frau sich ja nie in die Ohren stecken soll sondern ausschließlich für kosmetische Zwecke wie Mäusesäubern gedacht ist, rückte ich dem Gilb im Mäuseinneren zuleibe. Wie schon seit ca. sieben Jahre lang schwor ich mir, dass ich bei nächster Gelegenheit endlich eine optische Mouse kaufen würde. Dieses Wunderding kommt nämlich ohne diese Kugel im Bauch, die allerlei klein- und kleinststückigen Dreck in das Mäuseinnere transportiert (Stichwort: Feinstaub, Feinstaubplakette), aus.

Der Tag war günstig heute. Regen draußen, Auto vor dem Haus. Ikea?? Au ja! Wir brauchen bestimmt Kerzen und Servietten. Kurz: es war sehr, sehr voll dort, meine Idee war wohl nicht ganz einzigartig. Um meinen Begleiter wieder zu versöhnen, schlichen wir uns noch in diesen Elektronik-Markt mit der doofen Werbung, der aber direkt nebenan liegt. Ahh … Er geht zu den DVDs, ich zu den Computern, klassische Rollenteilung.

Da sah ich SIE! In einem Riesenwürfel aus Drahtgeflecht lagen mindestens 1,5 m³ OPTISCHE MÄUSE! Ja!!! Und noch in FÜNF verschiedenen Farben! Grau, hellgrau, blau, violett und rot! Richensarot! Mein Herz begann höher zu schlagen. Eine Mouse in richensarot. Ich sah sie förmlich vor mir auf dem Schreibtisch. Elegant und einfach rot! Der Suchtrieb schlug an. Ich begann, die Packungen nach meiner richensaroten Mouse zu sichten. Grau, hellgrau, grau, grau, grau, hellgrau … das kann doch gar nicht sein! War das wieder nur das Lockangebot einer bösen Werbung auf der Packung?? War ich nur zu spät an diesem Kubikmeter von Mäusen? Warum ich? Da schlug ein anderer Instikt an. Der Forschertrieb! Ich ging vorsichtig in die Knie, ließ den Blick suchend über die Mäuse weiter unten in diesem Kubus gleiten.
Da! Ganz unten war sie: meine Maus!
Richensarot, Widerstand ist zwecklos. Ich richtete mich auf. Kurz flackerte die Vernunft auf: „Hee, du kannst doch nicht den ganzen Kram rausschmeißen!“ Ich überlegte kurz, ob ich meinem Begleiter quer durch den Laden zubrüllen sollte: „Wenn du mich liebst, holst du mir die Mouse da unten raus!“ Nein, das wäre eindeutig zu theatralisch gewesen. Außerdem hätte er mich, vor lauter Scham über mein unmögliches Verhalten, ignoriert oder mir bestenfalls den Vogel gezeigt.
Leise pfeifend begann ich, die grauen und hellgrauen Mäuse in der hinteren linken Ecke des Maus – Kubus zu stapeln. Eine Frau blieb stehen und schaute mir zu. Ich sagte nur: „Ich will sie in rot!“, sie nickte verstehend und ging weiter. Aus dem Augenwinkel sah ich einen Angestellten der Computerabteilung stehen, er überlegte wohl, ob er mich einfach ignorieren oder die Polizei und Krankenwagen rufen sollte. Der Stapel in der linken hinteren Ecke war schon etwa 30 cm hoch und schwankte leicht. Nur noch sieben Lagen grauer Mäuse trennten mich von IHR. Der Angestellte kam näher. Mist, ich wusste, dass er mich nicht aufhalten konnte. Das Adrenalin ließ das Blut schneller durch den gespannten Körper pumpen. Ja! Ich hatte sie fast. Ein Kind hockte sich neben den Würfel und schaute zu. Dann kam seine Mutter und zerrte es schnell weg. Sah ich irgendwie gefährlich aus, wie ich da mit dem halben Oberkörper im Kubus hing?? Aber egal!

Endlich hielt ich sie in der Hand. Richensarot!

Ich richtete mich triumphierend auf. Liebevoll glitt mein Blick über ihre eleganten Rundungen! Drei, zwei, eins, MEINS! Der Angestellte hatte sich endlich entschlossen, sich mir auf Rufweite zu nähern. Sein „Kann ich ihnen helfen?“ war noch etwas zaghaft. Mein „Danke, ich habe alles, was ich wollte“ klang vielleicht eine Spur zu triumphierend. Was zählt das schon?

Ich schwebte zur Kasse … nach Hause … unter den Computertisch … zum USB-Port … Zärtlich stöpselte ich den Stecker ein, setzte mich und klickte mit meiner richensaroten Maus auf „Start“!

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2 Responses to “Mäusegeschichte”


  1. 1 buchstaeblich
    6. Februar 2008 um 21:16

    Die Maus würde hervorragend zu meinem Wasserkocher passen!

    Gefällt mir

  2. 2 Richensa
    7. Februar 2008 um 09:30

    Lass‘ uns eine WG gründen!

    Gefällt mir


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