18
Jan
08

Das Heim der ledigen Mütter

Wer sehr kurzfristig, so wie ich, eine Unterkunft in Eisenhüttenstadt braucht, kann dank der Internetpräsenz das Pech haben, in diesem Plattenbau zu landen. Da ich aufgrund der nicht schlechten Erfahrungen aus Lübbenau die nicht unberechtigte Hoffnung hegte, auch hier ordentlich zu logieren.
Der Anruf war schnell gemacht, ich wurde freundlich am Telefon empfangen.
Als ich dann nach der Arbeit versuchte, den Parkplatz zu finden, suchte ich zunächst vergebens ein Hinweisschild zur Einfahrt. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die mich jedes Mal zurück auf die Hauptstraße vor der Unterkunft führten, gelangte ich endlich doch auf den dunklen und teilweise unbefestigten Parkplatz. Mit einem Opel Vivaro war dies allerdings nicht so einfach, da der Platz schon eng beparkt war.
Als ich dann zur Anmeldung ging, wurde mir doch schlagartig klar, dass ich den Altersdurchschnitt der Bewohner dramatisch mit meiner Ankunft nach oben katapultieren würde. Das „Personal“ am Empfang bestand aus zwei Sozialarbeitern, die genauso aussahen und agierten, wie ich das von zwei desillusionierten Herren fortgeschrittenen Jahrgangs erwarten würde.
Mit einem Zimmerschlüssel ausgestattet und einer hinweisenden Armbewegung Richtung Aufzug wurde ich von ihnen verabschiedet, mir war schon komisch, was einerseits an der fiesen Erkältung mit Kopfschmerzen gelegen haben könnte, andererseits aber auch an den „Herrschaften“, die sich um den Kicker in der Eingangshalle bewegten.
Das Zimmer war dann schon ein bisschen „schocking“, auch hier die Originalausstattung aus den ca. 1980er Jahren, allerdings die Sanitäreinrichtungen auch.
Kleinere Löcher im Betttuch waren zwar gestopft, aber eben nicht alle und die Bettdecke war für den Dezember auch eindeutig zu dünn. Zum Glück hatte ich wenigstens meine eigene Bettwäsche für alle Fälle dabei, auch um mich etwas heimischer zu fühlen, egal, in welche Unterkunft das Schicksal mich hineinspült.
Das Warmwasser wurde nach etwa 15 min des Laufenlassens des Kaltwassers wärmer (Tip vom Empfang), aber nicht wirklich warm oder gar heiß.
Und meine Nachbarinnen, die waren auch toll! Offensichtlich war ich auf dem Gang mit den alleinerziehenden Teenage-Moms einquartiert worden: bis etwa 22 Uhr schrieen die Kleinkinder, dann machten die Moms Party. Morgens quollen die Mülleimer am Aufzug von Flaschen billigsten Sekts über.
Wahrscheinlich haben die Mädels es eigentlich richtig gemacht: die haben sich das Etablissement „schön“ getrunken!

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