11
Nov
07

Wien, das Naturhistorische Museum

Um es gleich vorweg anzumerken: wer in dieses Museum gehen möchte, braucht drei Dinge:
Zeit, bequemes Schuhwerk und einen großen visuellen Speicher, der bereit ist, diese vielen Eindrücke aufzunehmen.

Ich konnte letzte Woche nur mit bequemen Schuhen und einem akzeptablen Speicher aufwarten. Genug Zeit hatte ich noch nie für dieses wunderbare Museum.
Wer in diesem Museum allerneueste museumpädagogische Tricks erwartet, dürfte vielleicht ein kleines bisschen enttäuscht werden, denn das Naturhistorische Museum in Wien ist bereits als Gebäude ein Exponat. Und zwar eines, welches selber schon in eine Vitrine platziert werden müsste. Hier wurde zusammen mit dem Kunsthistorischen Museum nebenan als Museumsbau konzipiert, es ist also kein umgewidmetes Gebäude, für welches keine andere Nutzung gefunden werden konnte.
Nachdem die mächtigen Türen hinter mir zugefallen waren, der Mantel abgegeben und die Karte von einem freundlichen Museumwärter (ja, hier passt das Wort!) abgerissen worden war, machte ich mich auf den Rundgang.
Zunächst begrüßt den Besucher der ausgestopfte Löwe im Entrée, der wahrscheinlich genauso oft wie der Schiefe Turm in Pisa fotografiert wird. Ja, ich hab’s auch getan!
Unser erster Besuch ging in die Paläontologische Abteilung zu den Dinosauriern. An sich ist diese erdgeschichtliche Epoche nicht die, in der ich mich wirklich zuhause fühle, aber dieses Gefühl von „Jurassic Parc“ mit den riesigen Exponaten der Urzeitler ist schon beeindruckend. Manches in der Abteilung ist recht textlastig, an den Exponaten habe ich manchmal doch eine Erklärung vermisst. Dieses Miteinander von historistischem Museumsambiente mit den altertümlichen Holzvitrinen und den gigantischen Sauriern ist einfach ein besonderes Erlebnis.
In der archäologischen Abteilung fühle ich mich dann wieder vertrauter. Auch hier sind die prachtvoll ausgemalten Säle dicht an dicht mit den Holzvitrinen bestückt, in denen sich die Exponate regelrecht drängen. Aber auch hier würde ich mir eine bessere, sprich eine detailliertere Beschriftung wünschen, die nicht nur den Laien als Besucher an die Hand nimmt, sondern auch dem Fachbesucher genauere Informationen über Fundorte und -umstände gibt. Sehr spannend ist der k.u.k. geprägte Blick auf den Balkan, der Mitteleuropa manchmal vollends in’s Hintertreffen geraten lässt.
Die Epochen der Stein-, Bronze- und Eisenzeiten sind reichhaltig, zumeist mit namengebenden Fundorten vertreten. Für mich immer wieder schön sind die Funde aus dem Gräberfeld von Hallstatt, welches seinen Reichtum der Grabausstattungen direkt dem Salzbergwerk und dem damit verbundenen Salzhandel verdankt. Dieser Fundort war Mittelpunkt manches Referates, welches ich während meines Studium halten musste oder gehört habe. Und dann steht man fast mittendrin, toll!
Mein visueller (Gehirn-)Speicher drohte oftmals überzulaufen, daher kann man diese Vielfalt beim ersten Besuch kaum erfassen.

Mein absolutes Highlight ist die Venus von Willendorf, jenes kaum 10 cm hohe Frauenfigürchen aus Kalkstein mit ihren imposanten fraulichen Ausmaßen. Es wird in einem kleinen, stark abgedunkelten Kabinett präsentiert, in einer Vitrine effektvoll ausgeleuchtet. Die Welt bleibt im wahrsten Sinne des Wortes draußen, wenn man das Glück hat, ihr alleine gegenüber zu stehen und dieses einzigartige Kunstwerk aus der frühen Menschheitsgeschichte auf sich wirken lassen zu können.

Für die Mineralogie hatten wir dann zum Schluss nur noch wenig Zeit, das muss bis zum nächsten Wienbesuch warten.
Man merkt, dass das Museum arbeitet: auch wenn es bereits in den Grundzügen mehr als 250 Jahre alt ist, werden in den letzten Jahren ganze Abschnitte überarbeitet und modernen Sehgewohnheiten und Ansprüchen angepasst. Es dauert halt nur, damit muss man sich abfinden.
Dennoch freue mich schon sehr auf meinen nächsten Museumsbesuch im Naturhistorischen…

Adresse:
Naturhistorisches Museum
Burgring 7, 1010 Wien
http://www.nhm-wien.ac.at/

Öffnungszeiten: Mo, Do-So: 9-18.30, Mi: 9-21, Di: geschlossen
Eintritt: Erwachsene 8 €


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