29
Sep
07

Chateau La Gatte

Die Planung einer Reise ist Spannung und Vorfreude in einem. Früher gab es das Reisebüro, heute suche ich selber im Internet nach den notwendigen Informationen und entscheide mich dann, wo ich hinfahre und bei wem ich buche. So sollte es dieses Mal in den Südwesten Frankreichs gehen. Die Region um Bordeaux, das Bordelais, ist eine der Regionen Frankreichs, die ich noch nicht kannte. Und da sie für ihre Weine weltberühmt ist, fand ich es eine gute und logische Idee, auf einem Weingut zu nächtigen. Château La Gatte hatte ich über die gites-de-france-Seite gefunden, der erste Eindruck auf der Gites-Seite wurde durch die eigene Website des Weingutes noch positiv unterstützt. Schöne Bilder, nette Texte. Auch der telefonische Kontakt, um das Zimmer zu buchen, war locker und sehr nett mit dem amerikanischen Hausherr. Die Dame des Hauses ist eine Tochter der Region mit familiären Wurzeln in den Weinbergen von Saint-André-de-Cubzac.
Auf knirschendem Kies fährt man beim Château vor, die Abendsonne strahlte das Haupthaus an. Es sah einladend aus, der kleine Tisch, die Stühle vor dem Haus, der Hausherr kam auch bald aus dem Haus.
Schon beim Betreten des Hauses fühlte ich mich wohl. Auch wenn die Affatatos erst seit drei Jahren in Château La Gatte wohnen und arbeiten, haben sie bereits eine großartige Arbeit vollbracht. Das Haus ist liebevoll mit Dingen aus dem Weinbau dekoriert, ländlich, etwas 1930-style, aber nicht überladen. Derzeit gibt es drei Zimmer, deren Namen von den älteren Verwandten der Bewohner entlehnt wurden. Meines hatte zwar Opa Leopolds Namen, aber mit der rosa Blümchentapete und dem Brautkleid musste ich mehrfach über diesen Großvater nachdenken. Andererseits war die Einrichtung mit Sessel, Schminktisch und Kamin genau nach meinem Geschmack, auch das moderne Bad in schickem Anthrazit.
Zum Frühstück sitzt der Gast auf Château La Gatte im Speisezimmer vor dem Kamin aus dem 17. Jahrhundert, auch eine Fußbodenkachel aus der Erbauungszeit des Haupthauses befindet sich inklusive ihrer Jahreszahl dort. Der Tisch ist liebevoll mit schönem Geschirr und Tischtuch gedeckt, es gibt auch an jedem Wochentag ein anderes Porzellan. Frisches Gebäck und Brot zusammen mit den köstlichen Marmeladen aus der hauseigenen Produktion laden zum Zugreifen ein. Starker Kaffee weckt auch die müdesten Geister auf. Ja, so lässt sich der Tag auch mit einem „kontinentalen“ Frühstück gut beginnen.
Der Wunsch nach einer Weinprobe erfreut die Affatato-Familie auch und sie kommen ihm gerne nach. Begonnen wurde mit einer Führung durch die Weinberge und die Kellereianlagen, welche einen schönen Einblick in den Betrieb und dessen Weinherstellung bot.
Das Weingut gehört zu den eher kleineren Gütern mit etwa 13 ha Anbaufläche, die hauptsächlich mit etwa 30 Jahre alten Stöcken bepflanzt sind, auf denen Merlot- und Cabernet Sauvignon-Trauben wachsen, aber auch mit Sauvignon gris und Sauvignon blanc.
Da die Affatato-Familie erst seit 2004 das Gut bewirtschaftet, ist die Weinprobe noch eher kurz, dafür umso lebendiger von Michael Affatato gestaltet. Also, auch wer noch nie einer Weinprobe beigewohnt hat, ist hier gut aufgehoben, Schwellenängste ob der eigenen Geschmacks- und Geruchsnerven werden erst gar nicht aufgebaut. Zwei Rot- und ein Weißwein sowie ein Rosé waren im Angebot, echte Früchte der Arbeit und auch der Mühen der Winzerfamilie.
Der Rosé ist ein wunderbarer sommerlicher Wein, der nach Honig und Erdbeeren duftet, auch die Roten lassen erahnen, wie sie sich nach ein paar Jahren Lagerung entwickeln werden. Und der Weiße hat mir besonders gut gemundet, kräftig und fruchtig zugleich.
Der Abend der Weinprobe wurde schließlich von einem unglaublichen Sonnenuntergang über der Dordogne gekrönt. Dieser Blick vom Weingut gen Westen bot überraschende Ein- und Ausblicke und war so kurz vor der Weinlese besonders schön.
Die wenigen Tage auf Château La Gatte waren ganz wunderbar, auch als Ausgangspunkt für die Ausflüge in die Umgebung.
Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass einige Kisten den Weg von Saint-André-de-Cubzac nach Berlin fanden, oder?

Nachtrag: Die Zimmer kosten mit Frühstück bezahlbare 45 Euro pro Nacht.

995 Route de Bourg, 33240 St André de Cubzac
+33 5 57431621
http://www.chateaulagatte.com

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