Archiv für die Kategorie ‘kulinarisches & küchengeschichten’

Rote Bete oder so…

4. Oktober 2009

Manchmal ist man selber schuld, wenn man fragt: „Du, was magst du denn essen?“ Die Gefragte war meine Schwester, die niemals so eine „Ach, mach dir keine Umstände“-Antwort für mich bereit hält. Ich hätte es wissen müssen! Sie meinte recht schnell: „Och, die Ravioli mit der Rote Bete Füllung waren echt lecker..“ Ich zog eine für sie unsichtbare Grimasse am Telefon, aber als brave Schwester und gute Gastgeberin habe ich sie ihr dann doch zubereitet. Die sind aber auch lecker, ehrlich!

Ravioli mit Ricotta-Rote-Bete-Füllung

Teig:

500 g Mehl Type 550, 2 Eier, 1/8 l Wasser, 2 EL Öl, 1 TL Salz.

Füllung:

2 große gekochte Rote Bete, 250 g Ricotta, weißer und grüner Pfeffer, 2 EL Semmelbrösel, evt. Salz

Außerdem

100 g Butter, 1 – 2 EL Mohnsamen, frisch geriebenen Parmesan.

Aus den Teigzutagen einen glatten, geschmeidigen Teig kneten, sollte er zu trocken sein, in sehr kleinen Mengen noch Wasser zugeben. Der Teig sollte aber nicht klebrig sein. Zugedeckt mindestens eine halbe Stunde ruhen lassen.

Inzwischen die Füllung bereiten, hierzu werden die gekochten Rote Bete fein gerieben und mit Ricotta und Semmelbrösel vermengt. Anschließend mit Pfeffer und etwas Salz abschmecken.

Den Teig auf einer bemehlten Fläche fein ausrollen oder mit der Nudelmaschine zu dünnen Teigplatten auswalzen (Stufe 5). Die Füllung häufchenweise auf eine Platte setzen, drumherum leicht mit Wasser befeuchten, dann die zweite Platte auflegen und leicht festdrücken. Nun mit einem Teigrädchen viereckige Ravioli ausrädeln.

Nun reichlich Wasser aufkochen, salzen. Die Ravioli vorsichtig hineinsetzen, etwa fünf Minuten kochen lassen, bis sie oben schwimmen. Herausheben und abtropfen lassen, auf einer vorgewärmten Platte oder auf Tellern anrichten.

Inzwischen die Butter zerlassen, den dieses Mal ungemahlenen Mohn hinzugeben. Über die Ravioli träufeln und mit frisch geriebenem Parmesan servieren.

Holla!

6. Juni 2009

Und weil ich am Donnerstag nicht nur Blumen vor die Linse gezerrt habe, sondern auch mit einer handlichen Blumenschere ausgerüstet war, habe ich eine ganze Tüte voller Holunderblüten von meinem Streifzug am Rande einer kleinen Hügelkette bei Oderberg mitgebracht. Wichtig ist, dass man die frisch erblühten nimmt, die, die schon vor dem Verblühen sind, besser nicht, denn sie eignen sich nicht mehr so gut für Holunderblütensirup. (mehr…)

Driehorst oder: Prost Mahlzeit!

2. Dezember 2008

Das kulinarische Angebot im Wesertal um Höxter ist ja recht überschaubar. Zumeist urteilt der Einheimische ja danach, ob der Teller auch ordentlich gefüllt ist. Kleine Portionen werden gleich als „war ja nicht so doll“ abgewatscht. Und bei Driehorst versuchen sie den Spagat zwischen „vollem Teller“ und etwas besserer Küche. Dass ersteres gelingt, dafür ist mein Vater ein guter Beweis. Er geht, wann immer er mal groß zum Essen einlädt, zu Driehorst. Und es ist gar nicht so einfach, einfach mal so hinzugehen, ohne Tischbestellung läuft fast nichts mehr. Allerdings trifft man auch mal eine ganze Busladung hungriger Mäuler, die bei „Driehorst auf’m Saal“ eine lustige Sause machen. (mehr…)

Tafelrunden

23. November 2008

Nach einem ereignisreichen Tag zwischen Seillance und Mons im Hinterland der Côte d’Azur wollten wir nicht mehr eigenhändig kochen. Der Reiseführer schlug uns “La Table d’Yves” vor, nicht weit von unserem Ferienhaus gelegen. Einen Tisch bestellt hatten wir nicht, was man aber, besonders am Wochenende unbedingt tun sollte, wie sich herausstellte. So wurden wir im hinteren und etwas dunklen Teil des Restaurants platziert. (mehr…)

Wien, mein Naschmarkt

12. November 2008

Das erste Mal war ich vor etwa fünf Jahren hier, damals mit meiner Freundin Gabi, die mich hierhin geführt hat. Sie kennt mich ja und wusste, dass ich von dem Marktgeschehen begeistert sein würde. Auch damals war es schon November und mitten in der Woche relativ leer. Relativ! Mein nächster Besuch war im Frühsommer 2005, an einem Samstag. Himmelpotzblitz! (mehr…)

Saint Charles Alimentary

8. November 2008

Auf geheimen Wegen, geleitet von Einer, die um die Geheimnisse Wiens weiß, gelangten wir an einem strahlenden Donnerstag mittag hierhin. Irgendwo im Nirgendwo zwischen Naschmarkt und Mariahilf-Shopping liegt das Kleinod des Slow-food der besonderen Art. (mehr…)

Zu Tisch…

18. Oktober 2008

Heute ist es so herbstig, dass ich beschlossen habe, ein herbstliches Allerlei (mehr…)

Distillerie du Perigord, Sarlat

15. September 2008

Neben den Produkten aus der Gans und ihrer Leber spielen die Walnüsse und diverse Likörprodukte eine größere Rolle im regionalen, nein, im touristischen Warenangebot.
Die Distillerie hat ihr Warenhaus direkt am Hauptplatz von Sarlat, dort wo sich Markthalle in der ehemaligen Pfarrkirche, die Turmuhr und das Gassengewirr treffen, und hier lockt sie den schlendernden Passanten mit „Degustation gratuit“ ins Geschäft hinein. Der Kurzsichtige wird mit einer mobilen Distillerie auf vier Rädern aus dem frühen 19. Jahrhundert zum Laden gezogen.
Aha, „für umsonst“ gibt’s da was. Es wird zunächst angestrengt im Schaufenster geschaut: Liköre, in Likör eingelegte Früchte und Obstbrände sind hier im Angebot.
Im Laden grüßen die Reihen der Flaschen wie die Zinnsoldaten, ein etwas mürrisch wirkender junger Mann steht an der Kasse und schaut eher gelangweilt als erwartungsvoll den mutmaßlichen Kunden an.
Mit etwas Mut fragte ich dann wirklich nach einer Degustation des ortsüblichen „Ratafia“, einer Fruchtlikörspezialität und dann nach einem Tröpfchen des Himbeer-Obstbrandes.
Der Likör war, wenn ich dem Urteil meiner Zunge folgen darf, sehr zuckerlastig und die Fruchtaromen waren eher nachrangig. Und der Obstbrand war eine echte Enttäuschung, zumindest für mich. Irgendwie haarsprayig, beissend und von der Himbeere habe ich dann gar nichts mehr geschmeckt.
Die Präsentation war lieblos und logischer-konsequenterweise habe ich die Flaschen weiterin Zinnsoldaten sein lassen.

Darauf trinke ich jetzt mal einen österreichischen Marillenbrand. Sehr zum Wohl!

Distillerie du Perigord
Place de la Liberté,
24200 Sarlat la Canéda
+33 5 53592057
www.distillerie-perigord.com
Öffnungszeiten: bis 19 Uhr

Breiers Kräutergarten

30. August 2008

Wenn man durch die einzige Straße von Rathsdorf spaziert, fallen dem Besucher die einander so ähnlichen Häuser auf, die das Bild des Dorfes ausmachen: die Häuser stehen quergegliedert, traufenständig zur Straße, ein Gutteil von ihnen noch im historischen Fachwerk der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, einige andere durch Verputz kaum noch zu erkennen. Ursprünglich wurde der Ort um die Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt, als die Stadtväter des nahe gelegenen Wriezen Siedler für 22 Hofstellen suchten und fanden, die für die Urbachmachung des von Hochwässern periodisch überfluteten Oderbruchs geworben wurden. (mehr…)

Mein Wochenmarkt

24. August 2008

Der Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz ist am Samstag morgen einer der besten Plätze in Friedrichshain. Hier gibt es eine Menge Bio-Stände meist vom Direkterzeuger mit Obst und Gemüse, aber auch den Räucherfisch aus dem mobilen Ofen oder die Wurst aus Thüringen, gewürzt mit Witz und Pfeffer.
Dann gibt es auch den Stand mit frischem Espresso oder frischen Kuchen und Brot.
Vergessen wir nicht die Stände mit türkisfarbenen Nachthemden, die aber irgendwie…. hmmm… das Bild abrunden!
Bei Regenwetter teilt man sich das Marktvergnügen nur mit relativ wenigen Unentwegten, die wirklich Kartoffeln kaufen.

Der Einkaufszettel vom 19.5.07:
Erdbeeren – angeblich deutsche Freilandware, roch gut, war aber noch nicht so richtig erdbäärig
Spagel – brandenburger Ware: UNGLAUBLICH lecker! duftete schon beim Einkauf gut, sehr frisch
Kartoffeln – ein Muss zum Spargel, vorwiegend festkochend
Pfefferminze – meine auf dem Balkon ist noch nicht so ergiebig, dass ich dauernd Tee kochen könnte, diese war sehr lecker-minzig und hat natürlich nix mit der Teebeutel-Minze unserer Kindertage in Jugendherbergen und Krankenhäusern zu tun..

Der Einkaufszettel vom 24.8.2008
Da kämpfen immer zwei Seelen in meiner Brust am Samstagmorgen: gehe ich früh hin wegen der besten Blumen und der frischesten Kräuter oder lieber spät, kurz vor Schluss, damit ich Obst und evt. Gemüse preisgünstiger bekomme.
Meist entscheide ich mich für letzteres.
Heute gab es:
- Augustäpfel, die mit der pastellig-grünen Schale, klein und süßsauer
- Zwiebeln, aber so niedliche kleine, dass man sie im ganzen schmoren kann
- Pfirsiche für den Nachtisch heute abend, der Rest wird Konfitühüüre
- einen Blumenstrauß aus quer-durch-den-Garten-Blumen
Unbezahlbar dabei sind die kleinen Plaudereien mit den Marktfrauen an meinen Lieblingsständen, zumeist stehen sie seit langen Jahren auf dem Markt.
Die Blumenfrau erzählte mir von ihrem Garten, zeigte Bilder vom Blumenladen der Tochter in Altlandsberg, die sie aus ihrer riesigen Tasche zauberte, und ließ sich auch von einem arroganten Fatzke, der ihr erzählte, dass er Sonnenblumen gar nicht leiden kann (Geschmackssache, aber der Tonfall macht die Musik!), nicht aus ihrer gelassenen Ruhe und Freundlichkeit bringen. Kein Wunder, bei fast 75 Jahren, wie sie mir stolz erzählte, die man ihr wahrlich nicht ansah, nur den Händen, die von harter Arbeit in der Landwirtschaft kündeten. Nach dem harten Sonnabend auf dem Markt, dem langen Weg sei sie Abends immer halbtot, aber am Sonntag, wenn das Radio liefe und sie gemütlich in der Küche säße, würde sie wieder Mensch, sagte sie und hatte ein breites Lachen um dem Mund und eine Warmherzigkeit in den Augen, die den frühherbstlichen grauen Wind sofort vergessen ließ.