Archiv der Kategorie 'Geschwurbel'

07
Mai
12

Das Arboretum in Baumschulenweg

Die neuzeitliche Geschichte des Ortsteils “Baumschulenweg” (zum Bezirk Treptow-Köpenick gehörig) ist schnell erzählt. Bis etwa 1840 erstreckte sich die Cöllnische Heide mit ausgedehnten Waldungen bis zum heutigen Plänterwald, das zugehörige Forsthaus an der heutigen Rixdorfer Straße war weit und breit das einzige Gebäude, auch noch als es zum Gut Marienthal umgewandelt wurde.

Als die Cöllnische Heide irgendwo als Bauholz in der wachsenden Stadt Berlin verschwunden war, mussten die Gewerbe am Stadtrand weichen. So zog auch die Gärtnerei Späth weiter nach draußen, wo sie von den nachfolgenden Generationen zu einer der größten der Welt ausbaute, damals gegen Ende des 19. Jahrhundert. Eine prachtvolle Gründerzeitvilla wurde zum Zentrum des Spätschen Imperiums, ein großer Hausgarten im Stile eines englischen Landschaftsgarten inklusive Lavagrotten und See rund um das Haus vervollständigte das Ensemble.
Dieser ehemalige Hausgarten von 1879 mit prächtigem alten Baumbestand war der Grundstock für das Späthsche Arboretum, welches sich heute im Besitz der Humboldt Universität befindet. Die Baumschule Späth gibt es immer noch, am selben Ort. Und das Arboretum auch, ein schöner Ort, leider nicht ganz so ruhig, denn die Späthstraße, Verlängerung der Baumschulenstraße geht direkt am “Gartenzaun” vorbei, der Zubringer zur Autobahn A113.

Am 1. Mai waren wir zunächst fast alleine im Garten,nachdem wir unseren Obulus bei dem Münzsammler am Eingang gelassen hatten. Für 5 € gibt es die Jahreskarte, aber nur wenn das Kassenhäuschen besetzt ist. Ein DinA4 Blatt informiert über die wichtigsten Eckdaten des Gartens, von Zeit zu Zeit gibt es auch Führungen, leider mussten wir uns ohne auskommen, aber so war mehr Zeit, sich den Garten selber zu erwandern.

Nach und nach kamen mehr Besucher, die ihr Picknick dabei hatten oder einfach am See saßen und den Feiertag genossen.

Ein fast magischer Ort…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

22
Apr
12

Fundstück des Tages

Das Museum der Dinge bereitet dem Besucher zwar eine Menge optischer Fragezeichen, die sich jedoch meist durch die Beschriftung gut erklären lassen. Anders ist es bei archäologischen Ausgrabungen, bei dem sich der Ausgräber viele Gedanken um so manches Fundstück machen muss, mit anderen Kollegen diskutiert oder irgendwann dem Fundstück die Bezeichnung “unbekannte Funktion” geben muss.
Tja, so kann es auch geschehen, wenn der Inhalt unvertrauter Schränke (aka der meiner Tante) einer genaueren Betrachtung unterzogen wird.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Abgebildet habe ich das Stück von oben und unten. Wer mag mitraten?
Eine Auflösung gibt es auch, versprochen!

27
Mar
12

Weißes Gold an der Weser

Seit 1747 wird in Fürstenberg Porzellan hergestellt und damit gehört die Manufaktur zu den ältesten in Deutschland. Das Jagdschloss der Braunschweiger Herzöge wurde Produktionsstätte, der Herzog wurde im merkantilistischen System des 18. Jahrhunderts auch Unternehmer. So bekannt wie die Meißner Produktion oder die der Königlich Preußischen Manufaktur in Berlin wurde Fürstenberg nicht, aber wer auf sich hält im Weserbergland hat Fürstenberg als Sonntagsgeschirr im Schrank. Und meine Großmutter hatte auch das eine oder andere Stück, besonders große Vasen hatten es ihr angetan. Ein Kaffeekännchen ohne Deckel und eine Milchkanne mit blauem Dekor aus der Zeit um 1900 ist aus dem Haushalt meiner Urgroßmutter mit mir durch’s Leben gezogen. Aber irgendwie fand ich die Modelle einfach zu traditionell, eben etwas für Leute im vorgerückten Lebensalter, wie ich immer etwas bedaunernd feststellen musste.

Nun ist aber doch etwas frischer Wind in’s Jagdschloss gezogen, welches heute Museum und Platz für Sonderausstellungen ist: einerseits auch durch wirtschaftlichen Druck, der die Manufaktur schon mit dem Rücken an der Wand stehen ließ kam offensichtlich doch die Erkenntnis, dass es neuer Ideen und Formen bräuchte, um die Marke Fürstenberg vom 18. Jahrhundert über die Wirtschaftswunderjahre bis ins 21. Jahrhundert zu bringen. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben: für das neue Corporate Design gab’s Preise, aber endlich auch für die neue Porzellanlinie für den Gourmetbereich.

Zeit, dem Werksverkauf mal wieder einen Besuch abzustatten! Er ist umgezogen, der Shop ist großzügig und hell, dazu gibt es neben den Fürstenberger Porzellanserien auch noch eine Menge Dekoartikel im gehobenen Segment. Das Fürstenberger Porzellan hier etwa 20% günstiger als im Fachhandel, womit sich ein Einkauf hier durchaus lohnt. Das Personal ist überwiegend gut geschult, unser Einkaufsberater stand mit großer Begeisterung hinter “seiner” Marke und führte mit großem Enthusiasmus das neue Porzellan vor. Unglücklicherweise für ihn haben wir nicht gleich Gedecke für 6 Personen eingekauft, es ist bei einem Paar Espressotassen im Empirestil geblieben, weiß, klassisch und fast wie um 1805. Somit habe ich endlich etwas selbstgekauftes Fürstenberg im Schrank!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

17
Mar
12

Monbijou – ein Augenblick

Bei einem Spaziergang bei bestem Sonnenwetter durchquerte ich schlendernd den Monbijoupark zwischen Spree und Oranienburger Straße. Das übliche Szenario, sobald die Sonne etwas Wärme verschenkt: der noch vom Winter recht schwächliche Rasen war gesprenkelt von Leuten, die unbedingt ihr Hinterteil leicht erdfarben einfärben wollten. Ich musste grinsen, ging weiter und dachte an Kindertage, als meine Schwester und ich auch unbedingt ein erstes Picknick mit der Puppenschar im Garten abhalten wollten. Und natürlich gab es Schimpfe, wenn die Spieldecke und unsere zarten Rückseiten feucht vom nassen Boden wurden.

In den engen Straßen und kleinen Parks fällt es mir immer schwer, verschwundene Gebäude vorzustellen, südlich der S-Bahn am Hackeschen Markt die ehemalige Berliner Garnisonkirche, hier gar ein ganzes Schloss, welches zumeist von den alleine gelassenen preußischen Köninnen bewohnt wurde, das Schloss Monbijou.

Nachdem das im 20. Jahrhundert als “Hohenzollernmuseum” genutzte Gebäude 1943 ausgebrannt war und schlussendlich 1959 ganz abgerissen wurde, blieb nur noch das Gelände mitsamt einem Schwimmbad für Kinder und Liegewiese für Berliner und Zugereiste.

2006 wurde bei Umgestaltungsarbeiten eine Spolie des Schlosses entdeckt, die nun, einsam wie weiland im 18. Jahrhundert die vom Gatten ungeliebten preußischen Königinnen halb aus der Erde in das gleissende Licht der Berliner Gegenwart blinzelt.

Ein Stücke architektonischer Heiterkeit des 18. Jahrhunderts

11
Mar
12

Tulpenwahn

Gestern hatte ich zum Kaffeeklatsch geladen, zudem wollte ich ausprobieren, wie sich mehr als vier Personen am neu gestellten Tisch samt Erweiterungen “anfühlen” würden. Die Gäste hatten sich nicht abgesprochen, als sie die Tulpensträuße als Mitbringsel erkoren. Aber ich habe mich sehr über diese üppige Pracht gefreut, die nun das Wohnzimmer mit den Boten des Frühlings schmücken.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Vor ein paar Jahren las ich ein Buch über die erste Welle der Begeisterung rund um die Knollenpflanze, die sogar in einer Art Börsencrash endete. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Samen und Zwiebeln der ursprünglich in Vorderasien beheimateten Pflanze nach Westeuropa eingeführt und gelangten über botanische Gärten auch in die Parks der Herrschenden und Mächtigen, nach einer Weile auch in die neuangelegten Gärten der Reichen, Gelehrten und Bürger. Besonders in den Niederlanden machte die Schöne richtig Furore, wenn sie im Frühling Farbenpracht in die vom langen Grau des Winters geplagten Gemüter brachte. Allerdings wurden die kostbaren Blumen nicht wie heute als wahre Blumenmeere gepflanzt, sondern als einzeln stehende, die jede für sich bewundert und mit Besuchern des eigenen Gartens diskutiert wurden.

Es wurde gezüchtet, dass es eine Freude war: neue Sorten entstanden, neue Farben und vor allem neue Mengen! Mit der Ernte von Samen dauerte es im 17. Jahrhundert mehrere Jahre, bis eine Tulpe blühfähig war, mit der Vermehrung über Tochterzwiebeln nur ein oder zwei Jahre. Kurz und gut, das Geschäft entwickelte sich prächtig, vorangetrieben durch die Entstehung von Sorten mit einzigartigen mehrfarbigen Mustern auf den Blütenblättern. Diese waren das Ergebnis einer Virusinfektion der Tochterzwiebeln, die über Blattläuse verbreitet wurde, was im 17. Jahrhundert aber niemand ahnte.

Dann passierte aber etwas, was sich Historiker, Wirtschafts- und Kulturwissenschaftler bis heute nicht vollständig erklären können: Diese mehrfarbigen, geflammten, gestreiften oder gesprenkelten Tulpen brachten noch mehr Profite ein und die am Handel Beteiligten offenbar um den finanziellen Verstand. In der Mitte der 1630er Jahre entstand eine Spekulationsblase, die sich in ihrer Wahnwitzigkeit offensichtlich nur wenig von spekulativen Geschäften unserer Tage unterscheidet. Die Händler wollten nicht mehr für sich selber die Zwiebeln erwerben, sondern sie nur noch mit Gewinn weiter verkaufen. In Schänken und Gasthäusern traf man sich in den sogenannten Kollegs, um sich dort über die Pflanzen, über Farben, Zuchterfolge auszutauschen, aber auch um Zwiebeln zu verkaufen. Es wurden sogar Optionen über die Aushändigung der Pflanzen verhandelt, oder auch Optionen über Pflanzen, die bestimmte Farben haben würden. Die absolute Hausse erreichten die Preise um die Tulpe “Semper Augustus” um die Jahreswende 1636/37: für drei der wohl nur 12 überhaupt vorhandenen Zwiebeln wurden 30.000 Gulden geboten, dem dreifachen Gegenwert für das teuerste Haus in Amsterdam in Toplage. Nicht jede Tulpe wurde so hoch gehandelt, aber es wird eine Preissteigerung um das etwa zwölffache auch für einfachere Sorten angenommen. Die Wende kam aber schon bald, denn bereits im Februar 1637 brach der Markt zusammen, nachdem bei Auktionen die geforderten Preise, besonders im Optionshandel nicht mehr bezahlt werden konnten oder wurden. Eine unübersichtliche Anzahl von Verträgen und Optionsverträgen lag der Obrigkeit und den Gerichten zur Auflösung binnen kurzer Zeit vor, mehrere Schiedsversuche in den holländischen Städten scheiterten, bis im April 1637 der oberste Gerichtshof der Provinz Holland einen Schiedsspruch verkündete, nach dem die geschlossenen Verträge grundsätzlich in Kraft blieben, die Städte ihren Blumenhändlern aber helfen sollten, aus der Krise herauszukommen (nein, kein “Rettungsschirm”) und die Verkäufer beim Bruch eines Vertrages die Zwiebeln noch einmal zum Kauf anbieten durften und der vertragsbrüchige erste Käufer für die Differenz im Kaufpreis aufkommen musste.

Verschiedene Ansätze versuchen das Phänomen zu erklären, auch in der bildenden Kunst des 17. Jahrhunderts taucht der Tulpenwahn wiederholt als Thema auf, ausführlich nachzulesen bei wikipedia.

Die meisten der Sorten, die damals soviel Wirbel verursachten, sind heute ausgestorben, mit dem Tulpenmosaikvirus befallene Zwiebeln wurden von den Tulpenzüchtern in jüngerer Zeit aus Sorgen um den eigenen Bestand vernichtet. Auch wenn ich keine “Semper Augustus” in der Vase stehen habe, freue mich in den nächsten Tagen an der bunten Farbenpracht bei mir zuhause!

03
Mar
12

Bild an der Hauswand

Gestern beim Schlendern durch den alten Kiez gesehen:

Man muss halt wissen, was man will… schon klar!

24
Feb
12

Alte Schachtel

Es ist erst ein paar Jahrzehnte her, als eine Dame von Welt niemals ohne passende Kopfbedeckung verreist wäre. Natürlich wurden auch Hüte zum Wechseln mitgeführt. Heute ist ja das Huttragen, wie lakritze letztens schon schrieb und karu zu widerlegen versuchte, etwas aus der Mode gerate, zumindest was weite Teile der weiblichen Bevölkerung angeht. Nur wenn es nach Ascot zum Pferderennen, zu einer Hochzeit in vermeintlich erlauchten Kreisen geht oder die Sonne durch zu dünnes Haupthaar brennen würde, wird (wieder) Hut getragen. Da nur der erste Grund wohl nicht auf meine Großmutter väterlicherseits zutraf, hatte sie auch einige Kopfbedeckungen: für den Winter passend zum Mantel eine Persianerkappe oder für ein samtiges Hütchen in Schwarz. Auch im Sommer trug sie zu den jeweiligen Mänteln Hut. Wurde es zu heiß, dass frau keinen Mantel trug, sondern nur ein Jäckchen, ging sie, soweit ich mich erinnere, kaum aus. Schwitzen gehörte nicht in die Öffentlichkeit.

Immerhin bin ich so in den Besitz einer Hutschachtel, nein eher eines Hutköfferchens gekommen, in dem nun mein Strohhut “für gut” schlummert. Für den Fall, dass ich mal überraschenderweise zu einer Hochzeit im Hochadel oder so geladen bin…

Danke, Oma!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

12
Feb
12

Im Keller ist es duster

Es ist schon das dritte Mal, das ich ein Kellerabteil von meinen Vermietern zugewiesen bekam und als ich einzog, war da *schwups* schon jemand anderes eingezogen und weigerte sich, mitsamt seinem Kram dort wieder auszuziehen. Dieses Mal hat der Ersatzkeller wenigstens etwas, das der ursprünglich angedachte nicht hat: ein interessantes Innenleben!

Die Wände sind mit Zeitungen von 1963 tapeziert. Sobald es wieder wärmer ist, werde ich die Kellerwände einmal einer intensiveren Inspektion unterziehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

08
Feb
12

Abendstimmung

Die neue Umgebung will vorsichtig erkundet werden, langsam taste ich mich vorwärts. Still ist es nicht, die S-Bahn donnert schneller über die Brücke, als ich Handschuhe ausziehen und das tragbare Telefon mit integrierter Kamera in Schussposition bringen kann. Da die Bahn nur in größerer Taktung fährt, warte ich nicht auf die nächste und schaue nur versonnen in das blasse Abendrot.

Abendstimmung am Kanal

25
Jan
12

Umzug III – Impressionen

Soundtrack des Tages: Das Hörbuch “Kampf um Gullywith” in vier CDs. Nettes Jugendbuch, das mich in die Geschichte um das alte Haus, Olly und KK hineinzieht.

Susan Hill – Der Kampf um Gullywith




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 28 other followers