Archiv der Kategorie 'dazu fällt mir nichts mehr ein…'

19
Jan
12

Umzug I

So, nun geht’s los. Die Kartons sind da, es wird nach Herzenslust gepackt!

Und es muss eine Menge Organisatorisches erledigt werden: Gas abmelden, Strom ummelden, Telefon dito. Meine Nummer soll natürlich mitziehen. Achja, das Internet muss ja auch mit. Inzwischen weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist, denn seit mehr als 10 Tagen lande ich in Warteschleifen, kriege eine andere Telefonnummer mitgeteilt und lande in der nächsten Warteschleife. Kommt das davon, dass ich quasi eine Enkeltochter der guten alten Post beauftragt habe? Immerhin habe ich es heute geschafft, bei der Tochter der Magentafarbenen den Umzug anzukündigen. Sie bieten mir sogar eine gewisse Auswahl: entweder ich zahle knapp 60 € für’s Umstöpseln oder nicht, dafür verlängert sich mein Vertrag um 24 Monate. Ahhja! Und dann der Hammer: ich darf 2 – 3 Wochen auf die Freischaltung meines DSL-Anschlusses warten, 2 – 3 Wochen, NACHDEM der Festnetzanschluss umgeschaltet wurde. Warum das so ist, konnte mir die Dame der Hotline auch nicht erklären. Service geht anders! Ehrlich!

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18
Jan
12

Streikbild

Als ich mich vorhin in mein wordpress-Konto einloggte, erschien ein merkwürdiges Bild auf dem Schirm: alle Top-Blogs waren mit der Bemerkung “zensiert” gekennzeichnet, Zeichen des heute stattfinden Streiks auf den großen Plattformen gegen die Stop Online Piracy Act (Sopa) und die Protect IP Act (Pipa), zwei im US-amerikanischen Kongress und im Abgeordnetenhaus eingebrachten Gesetzesvorlagen, die angeblich den Missbrauch urheberrechtlich geschützter Daten im Internet eindämmen sollen. Wie so vieles, gibt es auch hier zwei Seiten einer Medaille, denn, sollten diese Gesetze beschlossen werden, werden Auswirkungen auf die Meinungs- und Informationsfreiheit des Internets befürchtet. Die Protestfront ist breit und reicht von Wikipedia bis ins Weiße Haus.
Mehr Info z.B. auf den Seiten der Financial Times Deutschland.
Abbildung ist der screenshot hier auf wordpress:Die Zukunft?

12
Dez
11

Da isser wieder!

Auf meiner mehr oder weniger täglichen Leseliste findet sich natürlich auch die ZEIT-online-Variante. Heute musste ich erschreckt lesen, dass der Freiherr-von-und-zu-auf-und-davon-ich-bin-sowas-von-geläutert offensichtlich durch die europäische Verandatür uns wieder erscheint. Nach dem Wirbel um seine Abschreibereien, für die er zunächst einen Dr.-Titel verliehen bekam und zum Glück wieder verlor, hat er seine Rückkehr generalstabsmäßig vorbereitet: zunächst das “BUCH der Entschuldigungen” fix geschrieben schreiben lassen, dann das große Mea-culpa-Interview mit dem Herausgeber der ZEIT und eine heftige Brise im deutschen Medienwald.
Nun gut, sagte sich der oberfränkische Herr von-und-zu-auf-und-davon-ich-bin-dann-mal-wech, da ich offensichtlich noch nicht mit Glanz und Gloria durch die Vordertür zurück in die deutsche Politlandschaft marschieren kann, versuche ich es mal mit einer Finte durch die EU. Hmmm… welche Posten hätte man denn mal für mich? Etwas, wo ich weiterhin den Status des Gut- und Anstandsmenschen, der wegen dieser Dr-Affäre, etwas gelitten hatte, ausbauen kann… Ah, “EU-Berater für Internetfreiheit”!
Der Herr von-und-zu-auf-und-davon-ich-bin-dann-mal-wech soll in dieser Position “Internetaktivisten in autoritären Regimen helfen” (ZEIT online, dpa, 12.12.2011). Ausgesucht für diesen Job wurde er von Neelie Kroes, der EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, was auch immer das im Einzelnen heißt.
Er soll, so die ZEIT (s. Zitat oben) “Notpakete aus internetfähigen Geräten und Software für die Aktivisten bereitgestellt werden, um trotz Zensur und Beschränkungen weiter arbeiten zu können.” Wer aussucht, wer so etwas bekommt, wie es finanziert wird und vor allem, wie diese Dinge verteilt werden, ist vollkommen unklar. Aber macht sich erstmal gut, so etwas ohne Plan in die Welt zu setzen. Er soll also nun denen helfen, die in ihren Ländern Dinge aufdecken, über Ungerechtigkeiten berichten und sich dagegen zur Wehr setzen. Kommt mir irgendwie komisch vor, dass sie ausgerechnet ihn dafür ausgesucht haben. Dabei geht mir ein altes Sprichwort mit einem Bock und einem Gärtner durch den Kopf.
Naja, schließlich sagte die EU-Kommissarin, dass sie selber nach “Talenten, nicht nach Heiligen” gesucht habe. Auch interessant: somit hat die persönliche Vorgeschichte keine Rolle gespielt? Seit September geht der Herr von-und-zu-auf-und-davon-ich-bin-dann-mal-wech übrigens beim “Center for Strategic and International Studies“, einer amerikanischen Denkfabrik als “Distinguished Statesman“, als herausragender Staatsmann, einer nicht näher bezeichneten, dabei natürlich unentgeldlichen Beschäftigung nach.
Und dank dieser wird er jetzt EU-Berater in einem Feld, die in meinen Augen ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit voraussetzt. Ist schon merkwürdig, wie diese Verbindungen so funktionieren. Wenn ich meinen Job los bin, dann fragt mich keiner, ob ich nicht EU-Berater werden will. Mir fehlen einfach nur ein paar transatlantische Superverbindungen, mehr nicht!
Darüber muss ich als Blondine erstmal nachdenken!

PS. In der folgenden Aufzählung ist zwar Frau Kroes drin, Herr von-und-zu-auf-und-davon-ich-bin-dann-mal-wech naturgemäß noch nicht…

03
Dez
11

Ungemacht steht ins Haus 7

Es ist hier irgendwie schon komisch: die Bauarbeiten hier im Haus haben noch nicht angefangen, da tut sich Getrappel am Samstag mittag im Treppenhaus. Zieht noch jemand aus? Nein, wir sind inzwischen die einzige verbliebene Partei hier auf der Etage, hier kann niemand (außer uns natürlich) mehr ausziehen. Einst wohnten hier 21 Parteien, auf Vorderhaus und Seitenflügel verteilt, nun sind wir nur noch sechs, Tendenz schwindend. Nein, das Getrappel gehört zu den Kaufinteressenten, die hier eine Wohnung erstehen möchten. Es ist noch nichts passiert, es wird also eine Option auf die Zukunft verkauft, wobei sich die Interessenten nur auf hübsche Computerbilder in des Verkäufers Mappe verlassen müssen.
Es fühlt sich komisch an, hier im Haus, denn das Ungemach ist inzwischen ins Haus eingezogen, unsichtbar und bedrückend.

31
Okt
11

Ungemach steht ins Haus 5

Interessanterweise lag in unserem Briefkasten ein Umschlag mit einem Erhebungsbogen des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg. In der Papiersammelbox unterhalb der Briefkästen liegen bestimmt 10 dieser Umschläge, für die die Adressaten offenbar keine Verwendung hatten. Ich nehme unseren mit nach oben.

Im Begleitschreiben teilt uns unser Bürgermeister mit, dass in regelmäßigen Abständen der Milieuschutz um den Boxhagener Platz überprüft werden müsse. Somit bräuchte man eine Datenbasis, um die Voraussetzungen und die Wirkungsweise der Verordnung zu überprüfen. Man habe das Büruo ASUM beauftragt, diese Befragung durchzuführen. Diesem Schreiben liegt ein achtseitiger Fragebogen bei, den man doch bitte ausfüllen und im bezahlten Rückumschlag zurück senden solle.

Brav füllte ich den Bogen aus und steckte ihn in den Umschlag. Dann entdeckte ich, dass auf der Rückseite des Anschreibens des Bürgermeisters noch eines der beauftragten ASUM zu lesen ist, mit Angabe einer Telefonnummer samt Ansprechpartnerin. Ich griff nach dem Telefon und wählte die Nummer. Als ich meine Fragen stellte, wurde ich rasch weiter vermittelt und hatte ein längeres Gespräch mit einer Kollegin, die im Laufe desselben zugeben musste, dass der Milieuschutz ein eher “stumpfes Schwert” sei und dass man ihn wohl demnächst sowieso aufheben werde, weil man von politischer Seite sowieso keine Handhabe habe und die betroffenen Mieter sich selber mit Hilfe der Gerichte darum kümmern müssten, um erfolgreich zu sein. Immerhin, eine ehrliche Antwort! Ob ich die angebotene Rechtsberatung in Anspruch nehmen wolle? Muss ich mal überlegen, hilfreich erscheint sie mir zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Messen offensichtlich gesungen sind, nicht mehr.

13
Sep
11

Wer strippt hier?

Letzte Woche in Zeeuws-Flanderen, dem Kleinstädtchen Sluis, auf einem Parkplatz:

Wer bitte soll was machen?

Meine Niederländischkenntnisse reichen leider nicht aus, um dieses Hinweisschild richtig zu deuten. Vorsichtshalber habe ich nach einem gemütlichen Bummel durch das Örtchen den Parkplatz einem anderen überlassen.

PS. Auflösung bietet schon der erste Kommentar, hier der Trost vorweg, echt verrucht!

03
Jul
11

Ungemach steht ins Haus 2

Bereits vor einiger Zeit deutete sich das Ungemach an, nun wird es doch konkreter: das Bauprojekt rund um unser Haus, im Haus, in der Wohnung und oben drüber!

Unser Hausbesitzer lässt ankündigen, dass man vorhabe, einerseits das anno 1944/45 zerbombte Hinterhaus wieder aufzubauen, den fehlenden Teil des Seitenflügel dito und dann auch alles mit einem ausgebauten Dachgeschoss zu versehen, welches natürlich auch im Vorderhausbereich aufgestockt wird. Zudem plant man folgende “Modernisierungen”, die eine Mieterhöhung zur Folge haben werden: alle Fenster sollen in den Wohnungen ausgetauscht werden, die Gastherme durch eine Brennwerttherme ersetzt werden. Zudem wird die Außenfassade gedämmt, dann sollen die Fußböden in den Wohnungen instand gesetzt werden. In dem achtseitigen Brief werden fein säuberlich die Arbeiten aufgeführt, die eine Mieterhöhung zur Folge haben werden und die, die sie nicht auf die Miete umlegen können. Aber 11% der Modernisierungskosten sind pro Jahr umlagefähig und das für immer und ewig, auch wenn die Modernisierungsmaßnahmen auch längst dadurch abgezahlt sind.

Die Rechnung in Form einer Kostenschätzung wird uns gleich mitpräsentiert: 4000 Euro für die Fenster, Installation der Heizanlage 4000 Euro, “zusammenhängende Renovierungsarbeiten” 3813,60 €, dazu kommt die Dämmung der Hausfassaden 4037,65 €, Baunebenkosten 2796,71 €. Fast geschenkt: nur 20.000 Euro! Würde rechnerisch etwa 180 € Mieterhöhung pro Monat ausmachen! Damit läge der Mietzins etwa 2€/qm über der ortsüblichen Vergleichsmiete für vergleichbar ausgestattete Wohnungen, nur so am Rande…

Der Baubeginn wurde für Anfang September angezeigt, Dauer schlappe 18 Monate! Und zudem würde das Nachbarhaus wohl im selben Zeitraum ebenfalls modernisiert, dafür könne man aber nichts…

Da musste ich erstmal tief durchatmen!

Inzwischen haben wir uns mit unseren Nachbarn ausgetauscht, jeder hat im Rahmen seiner Möglichkeiten nach ebensolchen gesucht, um sich gegen das zukünftige Ungemach, vor allem natürlich gegen die Mieterhöhung zu wehren.

Wir haben dann eine Liste erarbeitet, die jeder von uns je nach Ausstattungszustand der Wohnung angepasst hat und in einen freundlichen Brief an den Hausbesitzer resp. Hausverwaltung zurück geschrieben.

Also: erstmal sind bei uns die Fenster bis auf zwei vor etwa 8 Jahren durch Doppelglasfenster ersetzt worden, die den Standarts soweit genügen, dass ein Austausch nicht als Modernisierung durchgeht, bei den restlichen Holzfenstern von ca. 1905 ist der Hausbesitzer seiner Pflicht zur Instandhaltung nicht nachgekommen. Somit müsse er bei einem Austausch der Fenster die Instandhaltungskosten als nicht umlagefähíg abziehen.

Der Austausch der Therme könne nicht als Modernisierung durchgehen, da es sich zwar um eine energiesparenderes Modell handele, die Ersparnis aber erst (sagt unser Heizungswarter) nach ca. 3 Jahren überhaupt spürbar sei. Somit sollten sie uns aufzeigen, wo der Modernisierungseffekt liege.

Zudem haben wir sehr wohl etwas dagegen, die Holzböden während wir in der Wohnung wohnen zu bearbeiten, denn dafür müsste im Prinzip die ganze Wohnung ausgeräumt werden, was nicht realisierbar sei.

Außerdem möchten wir genauer wissen, was sich hinter den Kosten für “zusammengehörige Arbeiten” und “Baunebenkosten” verbirgt, damit man nachhalten könne, ob diese überhaupt umlagefähig seien. Somit gibt’s erstmal keine Zustimmung zu den Arbeiten.

Außerdem sind im Prinzip drei verschiedene Baumaßnahmen angekündigt, auch da möchte ich wissen, wann genau die Arbeiten in der Wohnung denn bitte beginnen sollen. Außerdem haben wir im Haus inzwischen erfahren, dass noch kein Bauantrag für die Maßnahmen beim Bezirk eingereicht worden ist.

So geht das ja nicht, lieber Hausbesitzer! Jetzt bin ich auf die Antwort gespannt!

12
Mai
11

Ungemach steht ins Haus

Mein Gefühl des Tages: Es steht Ungemach in Haus!

Letzte Woche lag ein Brief des Vermieters im Briefkasten. Normalerweise liegt zu dieser Jahreszeit die Nebenkostenabrechnung darin, auch nicht unbedingt ein Quell ewiger Freuden, dieses Mal aber wird es unangenehmer: Er schickt jemanden vorbei, der sich den Bauzustand 15 Wohnungen in Vorderhaus und Restseitenflügel anschauen will. Warum, das stand natürlich nicht im Brief. Aber da funktioniert doch das gute alte Buschtelefon hier im Haus, so dass ich von einer Nachbarin, die den Hausmeister getroffen hatte, gleich Gewissheit bekam: wir kriegen was auf’s Dach! Nein, keine Solaranlage oder Satellitenschüssel, es darf schon ein bisschen mehr sein. Unser Dachgeschoss wird ausgebaut und nicht nur das! Das seit dem 2. Weltkrieg fehlende Hinterhaus und der Rest vom Restseitenflügel werden wieder hochgezogen, kaum 66 Jahre nachdem der Schutt abtransportiert wurde.

So stand dann heute der zukünftige Bauleiter bei uns in der Wohnung, und erzählte uns nun aus erster Hand von den Plänen unseres Vermieters, der natürlich nicht nur unser Haus sein eigen nennt. Zum Jahresende müssen ja in Berlin die Dachböden gedämmt werden und nun wolle man die Chance nutzen, Kredite seien auch noch günstig und überhaup sei Berlin ja auch für Anleger interessant… MOMENT! Halt! Nun mal Butter bei die Fische! Es wird nicht nur ein Jahr lang hier rumgebaut, unser grüner Hinterhof, der eine Oase der Ruhe im quirlig-touristen Friedrichshain ist, wird zugunsten der Baustelleneinrichtung und dann eines Minirasens verschwinden und nun noch was? Ja, unser Haus wird in einzelne Einheiten aufgeteilt, die getrennt vermarktet werden können, schließlich sei ja Berlin die billigste Hauptstadt Europas. Zunächst wollte ich mit einem “preisgünstig” verbessern, überlegte es mir anders, denn er hat irgendwie recht.

Das Viertel, der Simon-Dach-Kiez verändert sich rasend schnell. Im Moment scheint hier auch der Trend der Prenzlauer-Bergisierung hier einzusetzen. Noch ziehen die betrunkenen Jung-Touristen aus GB, Italien, Spanien und vermehrt auch Frankreich und Skandinavien durch die Kneipen, aber schon hört man von Investoren aus denselben Ländern, die hier Wohnungen für die eigenen Wochenendtrips nach Börlin kaufen. Rumors? No. Nun denn, jetzt trifft’s eben auch mich.

Der Bauleiter sagt, dass der Vermieter (zukünftig: der Verkäufer) zunächst natürlich die Wohnungen den jetztigen Mietern zum Kauf anbieten wolle, aber natürlich sei das Interesse daran, besonders an den Wohnungen hier in der oberen Haushälfte groß bei Investoren aus dem ganzen Bundesgebiet. Man könne ja mal im Internet schauen, für etwa 1900 € pro Quadratmeter sei das der ortsübliche Preis. Natürlich… schon klar… wie sind nun die Perspektiven? Ein Jahr Baulärm und -dreck? Der Einbau einer Zentralheizung, die ich nicht will, wo ich gerade meinen Gasanbieter gewechselt habe? Einen Aufzug vor dem Treppenhaus, so von draußen, dass der Garten noch kleiner wird? Achso, wir haben dann ja keinen mehr, aber wo wollen die denn den Aufzug hinbauen, wenn das Treppenhaus doch genau über dem Zugang zu Hinterhaus u Restgarten ist? Fragen über Fragen, allesamt von dräuendem Ungemach!

Jetzt gehe ich erstmal ans Plattenregal und suche die “Rebelsongs”-CD von Chumbawamba!

Ach, übrigens soll das Nachbarhaus auch einer tiefgreifenden Modernisierung ausgesetzt werden, das wo die Hemden im Fenstern hingen.

01
Mai
11

Gruselfaktor moderner Reliquienkult

Heute ist hat der derzeit amtierende Papst Benedikt XVI. seinen Amtsvorgänger Johannes Paul II. selig gesprochen, ihn sozusagen auf den Weg zum Heiligen der katholischen Kirche gebracht. Als katholisch erzogene Ostwestfälin fühle ich mich wirklich befremdet von dieser sehr altertümlich wirkenden Zeremonie, die gerade sechs Jahre nach dem Tod des letzten Papstes vollzogen wurde. Wichtig für die Selig- und später für die Heiligsprechung ist der Nachweis von Wundern. Wobei aus meiner inzwischen eher naturwissenschaftlich geprägten Sicht der Dinge das bislang einzig dafür in Anspruch genommene Wunder nicht besonders überzeugend wirkt. Eine an Parkinson erkrankte Nonne erfuhr angeblich eine Spontanheilung, die sie den Gebeten zum verstorbenen Papst zu verdanken glaubt. Glaube, das ist natürlich das Zauberwort und das möchte ich ihr ja nicht einmal absprechen.

Richtig gruselig wird es aber nun, wenn ich höre/lese, dass es bereits eine Reliquie gibt, die verehrt wird: Blut in einer Ampulle, die, so war es in der Tagesschau zu sehen, in ein pompöses silbergefasstes Gefäß mit Glaseinsatz gezeigt wird. Puh, Leute, wird sind zwar einiges gewohnt, natürlich auch Reliquien, die angeblich Blut von Heiligen, die seit hunderten Jahren verstorben oder unter meist gräßlichen Umständen zu Tode kamen.Andere Reliquien sind winzige Knochenstücke, die auch heute noch in der katholischen Kirche weiter an neue Kirchengründungen von vorhandenen Reliquien “abgezweigt” werden. Für Gegenden, die in der Karolingerzeit großräumig missioniert wurde, kam es sogar vor, dass ganze Skelette als Reliquien herantransportiert wurden, beispielsweise Liborius als zukünftiger Bistumsheiliger von Paderborn oder Vitus als Patron des Reichsklosters Corvey. Beide kamen 836 aus Nordfrankreich als Lieferungen, wobei Vitus oder was von ihm übrig war irgendwo bei Soest warten musste, bis der wichtigere zukünftige Bistumsheilige durchgezogen war, als Skelett versteht sich. Er sollte schließlich zuerst ankommen!

Oftmals enthalten mittelalterliche Reliquiensammlungen gerne auch Tierknochen, sofern sie überhaupt anthropologisch resp. archäozoologisch bestimmt werden, schließlich blühte ja der Handel mit den angeblich heiligen Gegenständen seit dem Mittelalter heftigst. Auch dagegen hatten die Kirchenreformer an der Wende zur Neuzeit mit Recht so einiges auszusetzen!

Aber diese Anbetung von Blut eines vor sechs Jahre verstorbenen Kirchenfürsten ruft bei mir nur Unverständnis und Befremden hervor. Wann wurde ihm das Blut abgenommen? War es eine Blutkonserve? Nach dem Tod ist irgendwie schwierig. Fragen, die ich mir stelle und die ich gerne beantwortet bekäme.

Und da stellt sich die katholische Kirche gegen andere Religionen, die so heidnisch sind? Ehrlich, das hat einen ziemlichen Beigeschmack… bloody hell!

Die Blutreliquie wird aufgestellt (Foto: dapd über tagesschau.de)

Die Blutreliquie wird aufgestellt (Foto: dapd über tagesschau.de)

29
Mar
11

Irrfahrt in Bevern

Derzeit hält mich das echte Leben ziemlich auf Trab, sowohl beruflich als auch privat, so bleiben manche Dinge etwas auf der Strecke. Leider zählt dazu das Füttern dieser Seite auch dazu. Aber bevor alles im atemlosen Sauseschritt verblasst, soll doch die Irrfahrt in Bevern kurz auf’s Tapet kommen.

Vor einiger Zeit, quasi “damals”, als ich noch Mitschreiberin bei einer Veranstaltungsplattform war, die ich inzwischen verlassen habe, stolperte ich über einen Artikel über eine “Ölmühle am Solling”, die unter anderem, so versprach der Artikel von PJebsen auch Kokosöl feilbot. Kokosnüsse am Solling, diesem recht großen Mittelgebirgszug auf der östlichen Seite der Weser? Irgendwo nördlich von Kassel, westlich von Göttingen, südlich des Harzes, rund um Silberborn? Ich konnte es mir damals nicht vorstellen, heute noch viel weniger, zumal auch letzte Woche dieser Landstrich wieder unter Beweis stellte, dass der Frühling dort bis zu vier Wochen später Einzug hält als im angrenzenden Wesertal.

Damals entspann sich in der Kommentarspalte ein sinnfreier, dafür umso abstrus Spaß beim Schreiben bereitender Groschenroman um Auguste mit den roten Wangen, die durch die Wirren des Lebens irrte und natürlich auch die krausen Hirnwindungen der Autorinnen, die sich nie über den Fortgang dieser Internet-Novela absprachen.

Kurz und gut, ich fuhr schon öfters an Bevern, dem kleinen Ort mit dem schönen Renaissance-Schlösschen vorbei, wenn ich auf dem Weg nach Höxter war. Seitdem das Dorf eine großzügige Ortsumgehung hat, lässt man ihn nach wenigen Wimpernschlägen rechts hinter sich, schaut schon ins Wesertal und freut sich, dass man bald ankommen wird. Immer jedoch dachte ich an die Ölmühle am Solling, nie schaffte ich den Abstecher. Letzte Woche sollte es aber dann doch soweit sein: die Sonne schien, es war mitten am Tag und meine Schwester und ich hatten noch ein wenig Zeit übrig. Wir bogen ab, nach Bevern (sprich: ‘befern), in den Ort hinein. Viel hat sich nicht verändert, sogar der Fleischer hat noch seinen Laden im Dorf, nicht weit vor dem Abzweig zur Weserfähre nach Polle.Da wollten wir aber gar nicht hin, sondern zur Ölmühle am Solling. Zunächst versuchte ich es auf die “gute alte Art”: Fenster herunterkurbeln und Passanten auf der Straße befragen. Aber das hat schon früher selten wirklich gut funktioniert. Also zückte ich das mobile Telefon mit Anschluss an die große weite Datenwelt. Schnell war der Eintrag gefunden, die Adresse in die Straßen- und Kartensuche einer großen Suchmaschine eingegeben: Otto-Hahn-Straße 2. Relativ schnell waren wir in dem kleinen Gewerbegebiet im Nordosten des Dorfes, die Adresse war auch bald gefunden. Nur: keine Ölmühle! Ich stieg zaudernd aus, meine Schwester wartete in ihrem Auto mit laufendem Motor. Man weiß ja nie, da bei den Südniedersachsen (ostwestfälischer Sinnspruch). In der Mitte lag eine Werkshalle mit herunter gelassenem Tor, nur ein “o” samt Logo war noch da. Links wohnte ein kleines Bauunternehmen, das schon zu Mittag pausierte, rechts davon eine Werkstatt, in der eine Art Schlosserei mit italienischen Wurzeln ihre Heimat gefunden hatte.

Das "O" ist noch da, der Rest ist fort...

Das "O" ist noch da, der Rest ist fort...

Ich fragte nach der Ölmühle am Solling, wurde etwas verwundert angeschaut und dann teilte man mir mit, dass sie kein Öl kaufen wollten. Ich wollte ja auch keins verkaufen, das traf sich gut. Nochmal gefragt, dieselbe Antwort, nun etwas interessierter, was ich denn nun wollte. Ein paar Mal ging das Frage- und Antwortspiel hin und her. Ich wusste nicht, ob man es mir übel nehmen würde, wenn ich das haltlose Gelächter, welches aus der Kehle drängte, rauslassen würde. Vorsichtshalber schlüpfte ich zu meiner Schwester ins Auto und keuchte: “Fahr, abba schnell…!” Sie tat wie geheissen, ich lachte mich kaputt und rief, noch unter dem Eindruck dieser Enttäuschung, dass wir die Ölmühle nicht mehr angetroffen hatten, noch bei PJebsen an und beschwerte mich. Er hatte das zuverlässigere Internet und konnte mir flugs berichten, dass die Ölmühle von Bevern nach Boffzen umgezogen ist. Zwar mutmaßte er, dass sie nun wohl nicht mehr am Solling liegen würde, da konnte ich ihn beruhigen: der Solling ist groß und die Ölmühle liegt immer noch am Solling.

Ob wohl Kokosnüsse in Boffzen wachsen?? Wir bleiben dran, meine Schwester und ich. Und wenn wir mal wieder Zeit haben, dann machen wir uns nach Boffzen (sprich: ‘bofftsen) auf und wehe….!




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