Archiv der Kategorie 'Brandenburg'

28
Mar
12

Impressionen vor der Eröffnung

Heute war Pressekonferenz und man durfte durch die in den letzten Zügen der Vorbereitung liegende Ausstellung “1636 – ihre letzte Schlacht” schauen. An sich schreibe ich ja immer etwas längere Beiträge als diese dürren Zeilen, aber dafür gibt’s ja die Website des Projektes “1636” und nächste Woche dann mehr hier…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

04
Mar
12

Straupitzens Kirche

Während des vorletzten Jahrhunderts war der Wille des Gutsherrn so ähnlich wie das Gesetz. Er kam in der bäuerlichen Hierarchie direkt nach dem mehr oder weniger lieben Gott und deutlich vor dem Pfarrer und dem Lehrer oder dem Landpolizisten oder dem Dorfschulzen. Und wenn es dem Gutsherrn einfiel, dass sein Hauptdorf schöner werden sollte, dann wurde es auch so gemacht. Da die Fachwerkkirche in Straupitz, in der die Gemeinde fein säuberlich durch zwei Zugänge in deutsche und wendische Glaubensgeschwister getrennt war, baufällig geworden war, musste sich der amtierende Patron von Straupitz und der umgebenden acht Dörfer, Carl Heinrich Ferdinand Freiherr von Houwald 1826 etwas einfallen lassen. Immerhin gehörten etwa 2000 Menschen zu seiner Herrschaft, die auch mit dem Kirchgang ausgeübt wurde. Die Kirche im Dorf wurde nicht mehr genutzt, da wo der Patron residierte, wurde der Gottesdienst abgehalten: Ende der Diskussion!

Wie genau der berühmte Friedrich von Schinkel als Architekt gewonnen werden konnte, ist nicht ganz geklärt, aber er sollte einen für etwa 1700 Menschen Platz bietenden Kirchenbau planen. 1826 standen die Pläne, 1828 wurde die alte Kirche abgerissen und mit dem Bau der großen neuen begonnen. Die Baukosten lagen mit geschätzten 24.000 Talern weit über dem üblichen 8.000 für Dorfkirchen. Es kam wie es kommen musste: trotz vorgeschlagener Einsparungen in die Innenausstattung kostete der Bau schlussendlich 30.000 Taler, von denen sogar der preußische König Friedrich Wilhelm III. 2.000 übernahm. Blieben immer noch 28.000 Taler für den Patron von Straupitz übrig. 1832 wurde die Kirche in einem feierlichen Gottesdienst geweiht, alle Gläubigen, egal ob deutsch oder wendisch, betraten sie nur noch durch die drei großen Türen an der eindrucksvollen Nordostfassade mit den beiden Türmen, die so imposant sind, dass die Kirchgänger sich wohl nur klein vor dieser mächtigen Burg des preußischen Protestantismus fühlen können.

Inzwischen sind die Jahre ins Land gegangen, die Herrschaft derer von Houwald ist dahin, auch die Kirche musste inzwischen mehrfach renoviert werden, das letzte Mal vor wenigen Jahren. Es gibt eine Kirchengemeinde, die Sonntags hier noch ihren Gottesdienst feiert und dann auch das Gebäude für Besucher öffnet, jeweils um 11 und um 15 Uhr für eine Stunde.

Leider hatte ich Pech, denn mein Besuch fiel genau in die Zeit dazwischen und so sehr ich an den drei schweren Türen rüttelte, mir wurde nicht aufgetan.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Gegenüber auf dem Platz findet der Besucher eine Säule mit den Namen der für Preußen gefallenen Spreewälder aus des Herrn Patrons Beritt:

1864 – deutsch-dänischer Krieg (Holstein, Schleswig und Lauenburg wurden dem deutschen Bund zugeschlagen)

1866 – deutscher Krieg (Österreich schied am Ende aus dem deutschen Bund aus, Preußen war die stärkste Macht)

1870/71 – deutsch-französicher Krieg, an dessen Ende die Gründung des “deutschen Reiches” unter der Herrschaft des (ehemaligen) preußischen Königs als Wilhelm I. als deutscher Kaiser.

Die Namen der gefallenen Landeskinder sind im weichen Kalkstein fast verschwunden, nur wenn die Sonne etwas Schräglicht gibt, kann man sie noch entziffern.

02
Mar
12

Landstraße bei Byhlegure

Der Spreewald lockt im Sommer Millionen von Mücken und Touristen an, im Winter ist es eher ruhig. Die Häfen, von denen aus die Boote durch die größeren Kanäle und Fließe ablegen, liegen verwaist, die Heimatstuben haben mitunter gar nicht geöffnet oder nur Sonntag nachmittags von 15 Uhr an.

Man muss diese Jahreszeit mögen, wenn man in Brandenburg unterwegs ist, denn es ist einfach noch stiller als im Sommer. Und das “Brandenburg-Lied” von Rainald Grebe sollte nicht dauernd durch den Hinterkopf taumeln, denn sonst verschließt man sich gar zu leicht der herben Schönheit, wo Landstraßen unvermittelt zu Sandpisten werden, auf denen man noch das Rattern der Postkutschenräder oder der Hufschlag eines Pferdes samt einsamem Reiter zu hören vermeint.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

06
Feb
12

Eisig

Wer sich über mehrere Stunden bei etwa -16°C bis -18°C draußen herumtreibt, braucht zunächst einmal ein paar gute Gründe und wärmende Kleidung. Ich kann nun für mich behaupten, dass ich wohl zur Polarfoscherin nicht tauge, denn diese vier Stunden haben mir vollkommen gereicht.

Auch wenn die Sonne verlockend an windschattigen Plätzen das Gesicht wärmte, zog doch der leichte Wind die Restwärme aus behandschuhten Händen, aus den Beinen, die nur von zwei Schichten Beinkleid bedeckt waren. Dennoch hätte ich die Zeit nicht missen mögen, aber gerne mehr Zeit für meine eigenen Entdeckungen gehabt…

10
Apr
11

Unterwegs

Heute morgen in Heiligengrabe, die Diakonissen gehen über den “Damenplatz”

Diese Diashow benötigt JavaScript.

stairway to heaven…

10
Apr
11

Schattenspiele

Schattenspiele und Formsteine in der Ostprignitz:
Mauer nahe der Wittstocker Stadtkirche St. Marien – Handstrichziegel vor 1800
Rathausfassade Wittstock – Maschinenstrichziegel nach 1900
Heiliggrabkapelle bei Wittstock – Handstrichziegel vor 1600
Heiligengrabe Stiftskirche bei Wittstock – Handstrichziegel im Klosterformat vor 1600

Diese Diashow benötigt JavaScript.

24
Dez
10

Frohe Weihnachten 2010

Liebe Leser, Besucher und Gelegenheitsreinschnupperer,

ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest, am besten mit lieben Menschen um euch, mit denen ihr den Heiligabend verbringt, keinen Ärger in der Küche und am Tisch und nur Freude über liebevoll ausgesuchte Geschenke!

Bleibt mir auch weiterhin gewogen…

 

Mein Weihnachtsfoto ist über den Zaun in einem Vorgarten im brandenburgischen Zossen aufgenommen, wo diese überdimensionale, lebensgroße, wohl selbst angefertigte, erzgebirgisch angehauchte Lichterinstallation steht. Natürlich nicht alleine, aber das restliche Lichtergesindel sollte nicht mit auf’s Foto.

22
Aug
10

Geschenk aus dem Garten: Bohnen

Der Großstädter an sich freut sich über das pralle Angebot an städtischen Lustbarkeiten, im Hinterstübchen seines Dasein sehnt er sich aber nach dem stillen Leben auf dem Land, welches die meisten allerdings nur aus Lifestyle-Zeitschriften kennen. Und da kann man nur sagen: Gurken wachsen nicht auf Büschen! Dennoch hat so mancher seine Datsche irgendwo an einem brandenburgischen See und fährt, sobald am Freitag mittag der Bleistift oder das iBook fällt, ins Grüne.

Nur wenige leben wirklich im Grünen und ringen der Scholle die Tomate, die Kartoffel oder eben auch grüne Bohnen ab. Joachim und Christine wohnen mit ihren Töchtern in einem reizenden Häuschen, welches um 1910 von einer Berliner Familie errichtet wurde, die auch schon damals dem Traum vom Landleben nachsinnierte. Wird man von den beiden zum sonntäglichen Kaffeetrinken oder Grillen eingeladen, genieße auch ich den Blick über den See, da bin ich ja ehrlich. Da ich aber als Kind genügend Zeit mit dem Auflesen von Fallobst, dem Füttern von Hühnern und dem Unkrautjäten zugebracht habe, finde ich solche Nachmittage wunderwunderbar, kehre aber ohne Trauer in meine Stadtwohnung mitsamt überschaubarem Grünanteil auf dem Balkon zurück.

Vor zwei Wochen gab es das erste Erntegeschenk dieses Jahres: wunderbare kleine Kartöffelchen, die sich anboten, zu einem Gericht mit Zitronenhuhn, viel (Balkon-) Rosmarin und Zwiebeln im Ofen verzaubert zu werden. Und letzte Woche gab es einen Armvoll grüner Stangenbohnen, perfekt für “Schnippelbohnen”, dünne, von der Schnippelbohnenmaschine meiner Großmutter perfekt geschnittene Scheiben von der Stangenbohne. Wäre es weiterhin frühherbstlich kühl gewesen, wären die Bohnen mit Kartoffeln und ähnlichem zu einem Eintopf verkocht worden, so aber, bei der Wärme des Spätsommers wurde ein bunter Nudelsalat daraus.

Zutaten für den bunten Nudelsalat mit Schnippelbohnen

  • ca. 300 g grüne Bohnen, frisch, geschnippelt, ca. 6 min in Salzwasser gekocht, abgeschreckt, abgetrotpft
  • etwa 300 g Bandnudeln
  • etwa 125 g getrocknete Tomaten, nicht in Öl eingelegt
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 Chilischote, getrocknet, fein gemörsert
  • 6 EL Olivenöl
  • 3 EL weißer Balsamico-Essig
  • grüner Pfeffer
  • zwei rote Zwiebeln, gedünstet
  • 5 Tomaten, ordentlich reife, in Würfel geschnitten
  • 100 g Feta

Die getrockneten Tomaten ca. 20 min in Wasser einweichen, dieses dann wegschütten; dann die Tomatenfilets in Streifen schneiden, in ein hohes Gefäß geben, die zermörserte Chilischote hinzugeben, ebenso die beiden Knoblauchzehen. Inzwischen die Pasta al dente kochen, vom Kochwasser beim Abgießen etwa 3/4 Tasse zurückbehalten. Die Zwiebeln in dünne Scheiben schneiden, in etwas Olivenöl nach Geschmack dünsten oder etwas krosser anbraten, dann zur Seite stellen.

Die (frischen) Tomaten in Würfel schneiden, etwa die Hälfte mit zu den getrockneten geben. Alles mit dem Pürierstab pürieren, Öl, Essig und Nudelwasser dazu geben, soviel, dass es eine dickflüssige Sauce ergibt. Mit grünem Pfeffer abschmecken. Nudeln und Sauce in einer Schüssel mischen. Den Feta zerbröseln und zugeben, alles gut vermengen.

Nun noch die grünen Bohnen und die frischen Tomatenwürfel zugeben, zusammen mit den Zwiebeln nur vorsichtig unterheben und zum Schluss den Salat noch mit frischem Thymian und Oregano abschmecken.

20
Aug
10

Haustürgeschichten

Lange liegt mir diese Geschichte schon irgendwo auf dem Schreibtisch meines Hinterkopfes herum, mehrmals habe ich hier schon angefangen, sie aufzuschreiben, bin aber nie zum Ende gekommen. Am Freitag war ich zum Essen eingeladen, gegessen wurde koscher im Gabriel’s im jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße. Der Gastgeber entschuldigte sich zwar immer wieder für das Essen, welches aber gar nicht unschmackhaft war, dennoch waren das Interessanteste die Tischgespräche.
Und so kam diese uckermärkische Impression der anderen Art wieder an die Oberfläche.
Als ich im Herbst 2008 relativ unvermittelt in der Uckermark zu tun hatte, brauchte ich für die Dauer meines Aufenthaltes natürlich auch eine Übernachtungsmöglichkeit. Dummerweise hatte Brandenburg gerade Herbstferien, keine der bekannten Unterkünfte hatte noch ein Bett für mich frei.
Eine Mitarbeiterin gab mir den Tip, es bei einem der Höfe in Dreesch zu versuchen, dort hätten Kollegen auch schon einmal eine Bleibe gefunden, als unsere sonstigen Pensionen belegt waren.
Als ich an den Gartenzaun trat und auf die Klingel blickte, musste ich erst einmal lächeln, denn der Name verhieß mir deutlich, dass hier Westfalen wohnten, “…kötter” lässt seine geografische Herkunft unschwer verleugnen. Ich trat durch den Vorgarten an die Haustür und klingelte.
Und klingelte noch einmal, da niemand die Tür öffnete, es war schließlich ein großes Haus, vielleicht hatte man mich nicht gehört. Als ich mich gerade schon zum Gehen umdrehen wollte, wurde die Tür doch noch geöffnet. Ein älterer Herr Anfang siebzig musterte mich. Ich sagte mein Sprüchlein auf, dass ich eine Unterkunft von Montag bis Freitag suche, und dass ich den Tip bekommen hätte, dass sie auch vermieteten. Plötzlich fing er an zu weinen. Ich stand da, wie vom Donner gerührt und war mir keiner Schuld bewusst. Dann sagte er, dass seine Frau im Krankenhaus sei. Ich fragte, ob es denn etwas Schlimmes sei. Er schneuzte sich die Nase in ein großes kariertes Taschentuch und meinte, nein, sie wäre zur Beobachtung da, weil sie Kreislaufprobleme habe. Aber er, er fing wieder an zu weinen, er sei ganz alleine und müsse sich um alles alleine kümmern. Mein Mitleid wandelte sich in abwartendes Schweigen, schließlich weinte er ja nicht, weil seine Frau krank war, sondern eher Mitleid heischend um sich selber. Schließlich sagte ich, dass ich ihn dann nicht länger stören wolle. Er fiel mir ins Wort und meinte, dass ich trotzdem das Zimmer haben könne, ich müsse mir aber das Bett selber beziehen und es wäre schön, wenn ich auch das Frühstück bereiten könne, er würde dann auch mit mir frühstücken. Nun ist es nicht meine Art, fremden Herren das Frühstück zu bereiten und langsam beschlich mich das Gefühl, dass er eine Putzfrau suchte. Ich bedankte mich artig und wollte gehen, da begann er unvermittelt, mir sein Leben zu erzählen, dass seine Frau die zweite sei, von der ersten sei er geschieden, er berichtete mir von der LPG, der er vorgestanden habe, welche Straße erst auf seine Initiative gebaut worden sei und überhaupt. Mir war schon sehr unbehaglich ob dieser vielen Geschichten, die ich eigentlich nicht hören wollte, aber ich wollte ihn auch nicht so da in der Tür stehen lassen, meine anerzogene Hemmschwelle ließ mich verharren.
Dann holte er noch weiter aus und erzählte, dass seine Eltern 1937 aus der Nähe von Unna in die Uckermark gezogen wären, denn in Westfalen hatten sie als Landarbeiter kein eigenes Land besessen, erst mit der inneren Aufsiedlung inklusive Landzuteilung durch den “Reichsnährstand” in der 2. Hälfte der 1930er Jahre wurden sie zu Herren auf eigener Scholle.
Nun wurde mir auch klar, warum das kleine Dorf so gleichartige Höfe mit diesen großen dunklen Holzscheunen hatte: es handelte sich um eine planmäßige Ansiedlung, wie sie zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion durch die nationalsozialistische Agrarpolitik durchgeführt wurden.
Der Mann an der Tür erzählte mir, dass er als vierjähriger Junge mit seinen Eltern in die Uckermark gezogen sei. Im Dorf wohnten Neubauern aus allen Ecken Deutschlands, Schwaben, Niedersachsen, Hessen. Und die neuen Hofbesitzer bekamen auch gleich Hilfskräfte aus Polen, der Ukraine, aus Frankreich und Belgien, wie er mir erzählte. Das Wort “Zwansgarbeiter” war nur in meinem Kopf. Und er erzählte auch ganz stolz, dass er als Kind sogar ein paar Brocken polnisch gesprochen habe. Heutzutage würde man ja auch wieder nach Polen zum Einkaufen fahren. Und dann kam der Moment, als ich mich umdrehte und grußlos ging: “Heutzutage,” sagte er eifrig, “heutzutage würde ich auch, wenn meine Frau nicht mehr ist, einer Polin die Hand reichen. Sie sind gar so nicht dreckig, wie man immer sagt.”
Mir war ziemlich schlecht, als ich fast vom Hof lief. So sieht er also aus, der nette Rechtsradikale von nebenan: ein freundlicher älterer Herr, der einem die Haustür öffnet.

06
Aug
10

Blogs von Museen und Sonderausstellungen

Liebe Leser,

derzeit beschäftige ich mich etwas mit der Frage, was der Museumsbesucher an sich, der sich im Vorfeld einer Ausstellung oder eines Museumsbesuches informieren möchte, von einer Website erwartet. Wie viel soll auf der Seite zu sehen sein, abgesehen von den Öffnungszeiten und den Eintrittspreisen? Weiterlesen ‘Blogs von Museen und Sonderausstellungen’




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 28 other followers