Gestern abend war ich auf der Suche nach einem Parkplatz in meiner Straße, was zugegebenermaßen nach halb sieben abends schon fast an Kühnheit grenzt. Aber das Glück war mir in zweifacher Hinsicht hold: mein Auto und ich erspähten die Lücke in Hausnähe fast gleichzeitig. Zwei Wagenbreiten neben uns hingegen parkte so etwas wie ein Ufo.


Die Firmengeschichte von Rolls-Royce ist sehr britisch, auch wenn die Autoproduktion heute zum BMW-Imperium gehört. Aber nein, zurück zu dem schönen Gefährt von gestern abend:
Nach einem kurzen typologischen Vergleich scheint es sich bei dem Wagen um das Modell „Silver Cloud III“ zu handeln, welcher an seinen eher eckig geformten vorderen Kotflügeln zu erkennen istt. Wenn ich also richtig wikipediert und bildergegoogelt habe, dürfte dieser dann in den Jahren 1963 bis 1965 gebaut worden sein.
Was ich bisher gar nicht wusste, ist, dass die „Emily“ eigentlich nur im deutschen Sprachraum die Bezeichnung für die legendäre Kühlerfigur ist. Eigentlich heisst „Emily“ ja „Spirit of Ecstasy“. Seit 1911 ziert sie die wertvollen Automobile. Bei den modernen Vehikeln von Rolls Royce wird die Figur übrigens beim Abschalten des Motors unergreifbar für gierige Finger lautlos in den Kühlergrill versenkt.
Die Ur-“Emily“ hieß abseits der Kühlergrille Eleanor Velasco Thornton und war die bezaubernde Geliebte von John Walter Edward Douglas-Scott-Montagu, 2nd Lord of Beaulieu (hach, was für ein Name!). Seine (mit Lady Cecil Victoria Constance, Tochter von Schomberg Kerr, 9th Marquess of Lothian verheiratete) Lordschaft (1866 – 1929) war als konservativer Politiker den modernen Zeiten nicht ganz ab-, besonders aber wohl Eleanor zugeneigt. Charles Sykes schuf nun eine Figur, die der Lord dann auf dem Kühler seines Wagens befestigen ließ, „pimp my car“ anno 1911.
Nur vier Jahre später kam Eleanor Velasco Thornton ums Leben: sie war eine der 519 Passagiere des Ozeandampfers „Persia„, welcher am 30. Dezember 1915 nach der Torpedierung durch ein deutsches U-Boot südlich von Kreta sank und 343 Menschen mit in die Tiefe riss.
Eleanor wurde 34 Jahre alt, der Lord zählte zu den 175 Überlebenden der Katastrophe.
Als Kühlerfigur ist „Emily“ unsterblich geworden und bleibt „forever young“.
Der Lord heiratete 1920 Alice Pearl, Tochter von Major Edward Barrington Crake. Nachdem der Lord 1929 im Alter von 62 verschied, lebte die Lady höchst vergnügt bis 1996. Sie wurde 101 Jahre alt. Aber das nur am Rande……
Schlagworte: Emily, Friedrichshain, Rolls Royce
11. Juni 2009 um 09:13 |
So etwas schönes würde ich in Deinem Sprengel nicht auf die Straße stellen. Aber vielleicht sind die Zündler auch Kulturfreunde.
11. Juni 2009 um 19:23 |
Ganz bestimmt sind sie das, es gab nirgendwo Brandspuren auf dem Asphalt.
Die Spurensucherin
11. Juni 2009 um 15:35 |
Sehr,sehr mutig…
… mit dem Rolls nach Friedrichshain. Hast du heute schon mal nachgeschaut, ob es dem edlen Vehikel noch gut geht ?
11. Juni 2009 um 19:22 |
Das edle Stück war heute morgen nicht mehr da, es ist bestimmt nach Hause in die Garage mit Fußbodenheizung gerollt.
12. Juni 2009 um 16:06 |
die Cecil Victoria Constanze (Emily) hat Flügel….., da freut sich jeder Kormoran
13. Juni 2009 um 15:46 |
Hach, die Familiengeschichten von Lords zuhause. Und wenn dann noch so eine Emily dabei rausspringt — fein!
Du hast nicht gelauert, um zu sehen, wer mit sowas einkaufen (oder so) fährt –?
14. Juni 2009 um 13:22 |
liebe lakritze,
ich gestehe, dass ich, da ich einen Laptop, eine Umhängetasche mit dickem Aktenordner, eine weitere Umhängetasche mit privatem Kram und Einkäufe sowie die Fototasche mehr oder weniger umhängen und dieses alles in den 4. Stock ohne Aufzug zu tragen hatte, nicht wirklich auf den Fahrer und seine Entourage gewartet habe.
Nun hoffe ich auf dein „Ego te absolvo“ ob dieser fast unverzeihlichen Ungeduld, den Krempel zuhause abzulegen und wieder einigermaßen aufrecht zu gehen………?
15. Juni 2009 um 12:03 |
Hmmm. Du hättest auf Fahrer(in) nebst Entourage warten, ersterem dann letztere abspenstig machen und zum Transport Deiner Siebensachen einsetzen können. Das wäre die eleganteste Lösung gewesen, noch vor »Autoscheibe mit Aktenordner einschlagen (und Krempel dann auf dem Rücksitz ablegen)« und »ADAC rufen (,ich habe meinen Schlüssel verlegt’)«.
Vielleicht parkt er ja mal wieder in der Gegend.
15. Juni 2009 um 20:35 |
Tja, sieht so aus, als hätte ich einen kapitalen Fehler gemacht und als Belohnung mein Zeug noch selber dürfen!
MistMistMist!
22. Juni 2009 um 20:23 |
Von Lakritze kann man tatsächlich noch was lernen! ^^
17. Juni 2009 um 13:03 |
ich gebe es zu es war meine Karosse, bei Emily hätte es Dir auffallen müssen
17. Juni 2009 um 19:30 |
Da treffe ich dich dauernd am Samstag am Kartoffelstand auf dem Markt und du erzählst, dass das Auto irgendwo „da hinten“ parkt!
Lieber Kormoran, da hätteste mich doch wirklich mal auf eine Spritztour einladen können!
*Stirn unwillig in Falten werfe*
24. Oktober 2009 um 16:43 |
So verroht kann doch keiner sein, dass er einem Rolls-Royce etwas antun würde…
Es ist übrigens kein Cloud III, es ist dessen Nachfolgemodell: der Silver Shadow I.
30. Oktober 2009 um 16:58 |
Ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber ich armes Ding kann nur maximal die VW-Golf-Grundtypen auseinanderhalten. Das ist mal wieder der Beweis, dass Bilder-googlen alleine zur Wissenserweiterung nichts taugt!